„Auf die Freundschaft“: Das Buch lässt schmunzeln und grübeln

„Auf die Freundschaft“ : Das Buch lässt schmunzeln und grübeln

Am besten ist sie dick, fest und alt. Sie kann aber auch zart und locker sehr schön sein. Ohne Freundschaft gibt es kein ausgefülltes, glückliches Leben. Und nie zuvor waren Freunde so wichtig wie heute, schreibt der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami.

Aus mehreren Jahrhunderten und Kulturen hat er Geschichten über die „Schwester der Liebe“ zusammengetragen. Das Buch lässt schmunzeln und grübeln; es enthält Unterhaltsames und Überraschendes.

In der Moderne driften die Menschen auseinander, beobachtet Schami. Viele seien „in aufgezwungener Mobilität und der Ummantelung durch die elektronischen Medien“ isoliert, lebten „in einem unsichtbaren Exil, entwurzelt, einsam“. Was kann helfen? Auf jeden Fall Freunde. Ohne sie gebe es keinen Halt im Leben.

Und was macht einen Freund aus? Das hat schon viele große Geister beschäftigt. So sind auch Elias Canetti, Oscar Wilde, Marcel Proust, Franz Kafka, Lew Tolstoi, Else Lasker-Schüler, Natsume Soseki oder Patricia Highsmith in der Schami-Sammlung vertreten. Antoine de Saint-Exupéry meint: „Einer, vor dem man sich nicht rechtfertigen muss, dem man nichts beweisen muss, bei dem man Frieden findet.“ Albert Einstein definiert ihn so: „Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast.“

Und man atmet irgendwie erleichtert auf bei einer Weisheit aus China: „Ein Freund ist ein Mensch, der dich mag, obwohl er dich kennt.“ George Bernhard Shaw, irischer Literaturnobelpreisträger, befand: „Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte.“ Greift man noch viel weiter zurück bis zu Aristoteles, so erfährt man: „Der Freunde, die man um der Lust willen hat, braucht man nur wenige, wie auch bei der Speise wenig Gewürz hinreicht.“ Die Erkenntnis eines griechischen Philosophen, immerhin rund 2380 Jahre alt.

In den von Schami präsentierten Erzählungen geht es auch um falsche Freunde, um halbe und Viertelfreunde, enttäuschte Beziehungen, Neid und Eifersucht. Ebenso um glückliche, wohltuende Bindungen – die ganze Palette der denkbaren Freundschaften also. Und um solche, die nicht gerade auf der Hand liegen – zwischen zwei chinesischen Eunuchen etwa oder zwei boshaften alten Tanten. Nüchterne Bewertungen sind zu lesen. So lässt der 1990 gestorbene italienische Autor und Politiker Alberto Moravia eine Protagonistin bilanzieren: „Die einzigen wahren Freunde sind die Moneten. Die anderen kommen und gehen.“

Die Freundschaft hat noch eine „seltsame Tochter“: die Gastfreundschaft – leider in Lebensgefahr, glaubt Schami. Er erzählt von ihren Wurzeln und ihrem Wandel – und davon, wie Diktaturen in arabischen Ländern die Menschen misstrauisch machen und auf diese Weise deren Gastfreundschaft aushöhle. Die westliche Wohlstandswelt schwäche die Gastfreundschaft noch weiter. „So ist ein Kulturgut der Menschheit gerade dabei, wie so viele seltene und liebenswürdige Tiere auszusterben.“

Und dann hat die Freundschaft also noch eine Schwester: die Liebe. Aus Schamis Sicht verhält es sich damit so: „Die Liebe ist eine Erfindung der Natur, die Freundschaft dagegen ist ein Erzeugnis der Kultur.“ Freundschaft baue auf Gegenseitigkeit. „Liebe kann oft und sogar dauerhaft einseitig sein, Freundschaft nie.“

(ywi)
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