Sachbuch „Heute ist irgendwie ein komischer Tag“: Auf Fontanes Spuren durch die Mark Brandenburg gewandert

Sachbuch „Heute ist irgendwie ein komischer Tag“ : Auf Fontanes Spuren durch die Mark Brandenburg gewandert

Da steht der Besucher aus dem lauten Berlin auf stillen Dorfplätzen, blickt in schattige Alleen, und hinten funkelt das Sonnenlicht auf einem See. Menschen sieht er meistens keine. Die muss er hier schon suchen.

Cornelius Pollmer heißt der Reporter, der sich im heißen Sommmer 2018 aufmachte, um auf den Spuren von Theodor Fontane den ländlichen Raum rund um die Hauptstadt zu erkunden.

Bei seinen vergnüglichen Wanderungen geht es ihm nicht um verwunschene Schlösser und malerische Dorfkirchen, sondern um die speziellen Befindlichkeiten der Menschen. Und die muss man erst mal ans Licht bringen.

Pollmer sucht das wahre Leben und trifft in Fehrbellin auf Schniepa, den wuseligen Betreiber eines Trucker-Imbisses. Der Mann rackert von morgens bis abends, räsoniert in einer Tour über Gott und die Welt, und dann fährt er mit dem Reporter zur Siegessäule nach Hakenberg. Die Quasselstrippe scheint zu verstummen ob der wunderbaren Aussicht. „Ach, es ist schön hier“, sagt Schniepa noch einmal. Dann zeigt er nach unten auf sein Auto und resümiert: «Oh, Scheiße, Schniepa ist ooch da».

Pollmer hat ein Faible für schräge Typen und lässt so leicht keinen Kalauer aus. Die touristische Vermarktung von Fontane in dessen Geburtsstadt Neuruppin nennt er „All-you-can-read-Buffet“ und fährt schnell weiter zu Herrn Krafft Freiherr von dem Knesebeck. Der heißt wirklich so, kommt aus dem Westen und hat nach der Wende die Überreste des Familienschlosses am Ruppiner See restauriert. Erst wurde der adlige Wessi argwöhnisch geäugt, mittlerweile sorgt er für Arbeitsplätze, und ein Hundehotel betreibt er auch noch.

Prägnant arbeitet Pollmer jenseits aller DDR-Nostalgie die biografischen Brüche im Leben der Ostdeutschen heraus und konstatiert „eine hinderliche Bescheidenheit im Osten“. Dazwischen erlebt er reichlich skurrile Abenteuer und hübsche Geschichten, von denen aber manchmal nicht viel mehr als eine Pointe hängenbleibt.

Er wollte die Gegend, sagt Cornelius Pollmer so wie Fontane ganz unvoreingenommen in Augenschein nehmen. Dies ist ihm in seinen wundersamen Wanderungen durch die Mark weitgehend geglückt. (vdg)

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