„Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“ von Karl Markus Gauß

Abenteuerliche Reise : Leser lernen das ganze Haus kennen

Die eigenen vier Wände sind einem meist heilig und etwas sehr Privates. Wer hier hereingelassen wird, wird im Vorhinein oft gut ausgewählt. Karl-Markus Gauß öffnet jedoch jedem, der möchte, seine Tür.

Gauß betrachtet dabei aber nicht nur ein Zimmer, wie der Titel vermuten lassen könnte, sondern nimmt den Leser direkt mit in sein ganzes Haus. Das erinnere an ein „umgekipptes Schiff“ und auf 221 Seiten lernt der Leser sowohl die spitz zulaufende obere Etage, als auch das bauchige Parterre kennen. Anhand von Bildern, dem Bett, dem Schreibtisch und Büchern, aber auch banaleren Dingen wie einem Brieföffner oder seiner Tassensammlung gibt Gauß Einblicke in sein vergangenes Leben.

So hat es sich zur Tradition entwickelt, dass seine Freunde ihm über die Jahre hinweg immer wieder bunte, mehr oder weniger kitschige Tassen aus allen möglichen Städten als Souvenir mitgebracht haben. Er könne sich also, wenn er wolle, durch ganz Europa trinken, ohne sein Haus verlassen zu müssen. Die mit den Jahren verblassenden Motive auf den Tassen regen Gauß zum Beispiel dabei an, den Leser detaillierter in einige der Städte mitzunehmen und über sie zu erzählen. So entsteht ein buntes Gemisch aus Gedanken über Reisen in die Ferne, über seine Freunde und Kinder und Exkursen – zum Beispiel über das Warten.

Und dann ist da noch die Sache mit den Duschhauben. Neben all den teilweise etwas langatmigen Reiseberichten und väterlich-belehrenden Erinnerungen schreibt Gauß auch von seinen vielleicht etwas schrulligen, aber sympathischen Macken. So bringt er von jeder seiner Reisen aus den Hotels eine Plastikduschhaube mit. Die verstaut er dann zu Hause in einem Plastiksäckchen mit einer Notiz darauf, von wo und wann er sie mitgebracht hat. Den Grund für diese Sammelleidenschaft kann er sich, wie er zugibt, selbst nicht ganz erklären, aber fügt hinzu: „Soweit ich weiß, bin ich der einzige Sammler von Duschhauben, und das macht mich manchmal überheblich, manchmal traurig.“

Das Buch ist vielleicht nicht unbedingt ein spannendes Abenteuer, gibt aber einen behutsam ausgewählten Blick in das Leben und die Gedanken eines erfolgreichen Autors.

(akk)