1. Kultur

Brüssel feiert den Helden des Chansons

Brüssel feiert den Helden des Chansons

Brüssel (an-o/azu) - In manchem Brüsseler Viertel klingt in den Kneipen noch heute die Stimme von Jaques Brel, und auch in Lüttich wird er in den Cafés Chantants immer wieder neu interpretiert. Der belgische Chansonnier wird 25 Jahre nach seinem Tod in Brüssel groß gefeiert.

Ab 20. März startet in der belgischen Hauptstadt das Jaques-Brel-Jahr, in dem die Stadt an den facettenreichen Künstler erinnert. Zu den vielen Veranstaltungen in diesem Jahr gehört auch "Ein letzter Abend im Olympia mit Brel", bei dem der Besucher Brels letztes Konzert im berühmten Pariser Varietétheater noch einmal erleben soll. Maurice Béjart inszeniert zudem ein Ballett, das unter dem Titel "Lumière" (Licht) acht Mal in Brüssel aufgeführt wird. Eine Themenausstellung des Belgischen Comic-Museum "Le plat pays qui est le sien" (Das flache Land, das seines ist) präsentiert Jaques Brel wie ihn die Comiczeichner ins Bild gesetzt haben. Daraus ist ein Streifzug durch die heimischen Landschaften mit ihren Bewohnern geworden.

Sänger, Autor, Träumer

Höhepunkt des Brel-Jahres ist aber die Ausstellung "Brel, le droit de rèver" (Brel, das Recht zu träumen), die anschaulich das Leben des Künstlers nachzeichnet. Die Erlebnis-Ausstellung, die von Brels Tochter France und der Brel-Stiftung konzipiert wurde, bietet einen anderthalbstündigen Rundgang durch die Welt des Jaques Brel. Darin werden Besucher unveröffentlichte Dokumente von Tourneen, Aufnahmesessions und Schaffensprozesse entdecken können. Aber auch dem Leben und den Träumen des Künstlers soll so nachgespürt werden können.

"Es ist einfacher ein anderer zu sein als man selbst", sagte Jaques Brel. Doch sich selbst treu zu bleiben, versuchte der 1929 geborene Brel Zeit seines kurzen Lebens. Ob als Sänger, Komponist, Autor, Schauspieler oder Regisseur, immer wieder schlug er Haken in seiner Biographie und versuchte Träumen nachzujagen. Den ersten Bruch im Leben gab es, als er 1953 Brüssel und das bürgerliche Leben mit Familie und Posten in der väterlichen Kartonagefabrik hinter sich ließ, um in Paris sein Glück als Sänger zu suchen. Bis 1958 musste er darauf warten, tingelte durch die Bars und Cafés und spielte in Avantgardetheatern. 1955 ging es langsam aufwärts, er unternahm Tourneen in die belgische Provinz und nach Afrika. Ein ganz Großer in der frankophonen Welt wurde er jedoch erst nach einem Auftritt im Pariser Olympia 1958, wo er auch sein legendäres letztes Konzert gab (1966). Danach arbeitete er als Schauspieler und - weniger erfolgreich - als Regisseur. 1968 schrieb er die musikalische Komödie "L´ homme de la Mancha", in der er selbst den Don Quijote spielte. 1974 zog er sich ganz zurück und lebte die letzten Jahre bis zu seinem Tod in der Südsee. Nur einen einzigen Joker hielt er für seine Fans noch im Ärmel.

1977 reiste er heimlich nach Paris, nahm dort noch eine Platte auf, die sich allein am ersten Tag 650.000 Mal verkaufte. Am 8. Oktober 1978 starb Jaques Brel an Lungenkrebs und wurde auf Tahiti eingeäschert.