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Köln: Bruderstreit in einer Bier-Dynastie

Köln : Bruderstreit in einer Bier-Dynastie

Es geht um dubiose Spesenabrechnungen, eine prominente Biermarke und einen erbitterten Streit zwischen zwei Brüdern. Vor allem aber geht es um Geld und Macht. Die Auseinandersetzung in der Kölner Bierbrauer-Dynastie Becker sorgt seit Monaten in der Branche für Aufsehen.

Am Dienstag geht die juristische Auseinandersetzung zwischen den Brüdern Heinrich und Johannes Becker in die nächste Runde. Das Kölner Landgericht will dann die Beweisaufnahme in einer verworrenen Spesenaffäre fortsetzen.

Ein Ende des Rechtsstreits ist noch nicht in Sicht. Heinrich Becker leitet die renommierte Privatbrauerei Gaffel derzeit gemeinsam mit seinem Sohn und designierten Nachfolger Heinrich Philipp Becker. Johannes Becker, der Bruder des Seniors, war im vergangenen Jahr per einstweiliger Verfügung als Geschäftsführer abgelöst worden.

Seitdem beschäftigt der Zwist das Landgericht. Unter anderen beschuldigen sich die Brüder gegenseitig, Firmenmitarbeiter unberechtigt für private Anliegen eingespannt zu haben.

Die Brüder streiten auch um Belege wie Tankquittungen und Restaurantrechnungen, die sie - so lauten auch hier die gegenseitigen Vorwürfe - zu Unrecht über die Brauerei abgerechnet haben. Die zuständige Kammer steht vor einem Konvolut von Belegen, auch muss voraussichtlich eine bislang unüberschaubare Zahl von Zeugen gehört werden. Wiederholt hatte der Vorsitzende Richter die beiden Brüder um eine gütliche Einigung gebeten - vergeblich.

Die Streitereien sind umso unverständlicher, da das Unternehmen glänzend dasteht und der Machtkampf innerhalb der Familie entschieden ist. Mit seinem Unternehmensanteil von 38 Prozent kann Johannes Becker wenig gegen die 62 Prozent seines Bruders und seines Neffen ausrichten. Verkaufen will er seinen Anteil bislang aber nicht.

Immerhin beeinträchtigt der Bruderstreit das operative Geschäft der Brauerei nicht. „Gaffel ist ein gesundes Unternehmen mit einem hervorragenden Produkt”, betont Junior-Chef Heinrich Philipp Becker. „Jedoch müssen auch wir die gegebenen Marktveränderungen berücksichtigen, um auch in den nächsten Jahren wettbewerbsfähig zu bleiben. Das bedeutet Kostenreduktion, aber auch Investitionen gleichzeitig.” Der 31-jährige Kaufmann verhehlt nicht, dass auch sein Haus die Steigerung der Rohstoff- und Energiekosten sowie den zunehmenden Wettbewerbsdruck auf dem umkämpften Kölsch-Markt im Rheinland zu spüren bekommt.

Auch aus Kostengründen werden deshalb zwei der drei Produktionsstätten zusammengelegt. Das Bier soll zunächst weiterhin im Kölner Traditionsviertel Eigelstein gebraut werden, abgefüllt wird am Stadtrand. Hier investiert das Unternehmen dem Vernehmen nach einen zweistelligen Millionenbetrag in eine neue Flaschen-Abfüllanlage sowie in Technik und Infrastruktur.

10 von jetzt 136 Arbeitsplätzen im Unternehmen sollen abgebaut werden. Heinrich Philipp Becker verteidigt den Schritt: „Die Strukturanpassung ist notwendig, um den langfristigen Erfolg der Brauerei und den Erhalt weiterer Arbeitsplätze zu garantieren.” Mittelfristig werden deshalb wohl auch die Braukessel vom Eigelstein ins rechtsrheinische Porz verlegt.

Die Chancen für eine erfolgreiche Zukunft der Brauerei stehen gut. Während der Kölschmarkt im ersten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahr Einbußen von 2,5 Prozent hinnehmen musste, konnte Gaffel Kölsch seinen Absatz um 2,4 Prozent erhöhen. Dieser Trend hat sich nach Angaben eines Firmensprechers fortgesetzt. Ein zeitweise erwogener Verkauf der Brauerei an einen Konkurrenten ist inzwischen vom Tisch. Das Unternehmen soll auch weiter im Familienbesitz bleiben. Zumindest in diesem Punkt sind sich die zerstrittenen Brüder einig.

Das Kölsch und die Gaffel-Brauerei in sieben Daten

- Kölsch in der heute bekannten Form wird seit etwa 100 Jahren gebraut. Derzeit produzieren etwa 30 Unternehmen im Rheinland dieses Bier.

- 1997 wurde die Biersorte zu einer geschützten regionalen Spezialität erklärt. Damit ist Kölsch EU-weit eine geschützte Herkunftsbezeichnung wie etwa auch Champagner oder Cognac.

- Die 1985 im Bundesanzeiger veröffentlichte „Kölsch-Konvention” legt fest, welches Bier sich Kölsch nennen darf. So muss es sich unter anderem um ein obergäriges, helles Vollbier handeln. Bis auf wenige Ausnahmen darf es nur in Köln gebraut werden.

- Die Gaffel-Brauerei ist ein 1908 in Köln gegründetes Familienunternehmen.

- Der Firmenname leitet sich von dem alten kölschen Wort für Gabel ab. Die Bezeichnung „Gaffel” stand im Mittelalter in Köln für die politische Vereinigung von Zünften und Bürgern.

- Mit einer Jahresproduktion von 500.000 Hektolitern liegt Gaffel auf Platz zwei der Kölsch-Erzeuger. Markführer ist das Unternehmen im Gastronomiebereich, wo im Großraum Köln etwa 5000 Kneipen und Gaststätten beliefert werden. Unter den Fassbier-Anbietern rangiert Gaffel bundesweit auf Platz sechs.

- Unter anderem wird Gaffel in einer deutschen Kneipe an der Chinesischen Mauer und in rund 80 New Yorker Gaststätten ausgeschenkt. So muss man im Waldorf Astoria für eine Flasche des Kölner Bieres 13,50 Dollar hinlegen.