Aachen: Bruckners Zweite mit größter Hingabe eingespielt

Aachen: Bruckners Zweite mit größter Hingabe eingespielt

Der große Bruckner-Zyklus, den Marcus R. Bosch in der Aachener Nikolauskirche zum Klingen bringt, neigt sich dem Ende zu. Es war gewiss kein Zufall, dass Bosch die Zweite Symphonie entgegen der Chronologie gegen Ende des Zyklus aufführte.

Steht doch das Werk ein wenig im Schatten der folgenden Symphonien Bruckners. Der Meister, der anno 1868 mit der Uraufführung seiner aufmüpfigen Ersten die braven Linzer verschreckt hatte, nahm hier die Fronten ein wenig zurück. Dieser Zweiten eignet weder die Monumentalität der Fünften oder Achten noch die Horn-Romantik der Vierten. Sie gibt sich lyrischer, konfliktärmer.

Bruckner hatte, als er sie schrieb, eine gefährliche Phase der Depression überstanden, und die Zitate aus der f-Moll-Messe, die gelegentlich den symphonischen Fluss stau-en, will der Komponist als Gesten der Dankbarkeit gegen Gott für die Heilung gewertet wissen.

„Lyrisch” ist bei Bruckner relativ, wie die eindrucksvolle Aufführung des Sinfonieorchesters Aachen unter Marcus R. Bosch zeigte. Es mangelt in dieser Zweiten nicht an Ausbrüchen und machtvollen Steigerungen, deren Inszenierung durch die hallige Kirchenakustik noch unterstützt wurde. Boschs Tempi saßen genau, das zerklüftete Finale wusste er trotz der vielen Abbrüche und Neuansätze überzeugend zusammenzuhalten.

Dass das schöne Adagio zum Höhepunkt der Aufführung wurde, war kaum verwunderlich, konnte sich in diesem espressiv ausgesungenen, ungemein differenziert und warm klingenden Satz der Raum am stärksten mit Bruckners Intentionen versöhnen, was in den Ecksätzen, wo manches Detail zugdeckt wurde, nicht immer der Fall war, was nicht an Bosch lag, der bei allem großen Zug mit dynamischer Akribie musizierte. Und das Orchester folgte ihm mit größter Hingabe und Konzentration, einmal mehr seine derzeitige Hochform demonstrierend. Langer, herzlicher Beifall.

Das Konzert wurde wieder mit Unterstützung unserer Zeitung live und mit aufwendiger Technik mitgeschnitten. Erneut wird der Mitschnitt als CD bei Coviello Classics erscheinen.