Landgraaf: Bruce Springsteen setzt den grandiosen Schlusspunkt beim Pinkpop

Landgraaf: Bruce Springsteen setzt den grandiosen Schlusspunkt beim Pinkpop

Welche Bilder bleiben haften vom letzten Pinkpop-Tag? Die spektakulär leuchtenden Sonnenbrände vielleicht, herangezüchtet an drei sonnenüberfluteten Tagen, wie sie das überaus friedliche Rock-Festival in Landgraaf lange nicht mehr erlebt hat. Oder die glückseligen Gesichter der Tanzwütigen, die nach einer Stunde Paul Kalkbrenner das überhitzte Zelt verlassen.

Ganz sicher aber das stolze Grinsen des vielleicht 13-jährigen Jungen, der sich auf einmal vorne an der Rampe der Hauptbühne auf der Schulter des Boss höchstpersönlich wiederfindet. Na klar, eine einstudierte und vielfach praktizierte Pose, aber wie Bruce Springsteen die zelebriert, das ist ganz großer Rock n Roll. Der Junge wird seinen Enkeln noch davon erzählen.

Bruce Springsteen also. Stadionrock in allergrößtem Stil, und das ist mal nicht negativ gemeint. Es gibt nicht viele Musiker auf der Welt, die eine riesige Bühne derart ausfüllen können, die nur kurz den Arm in den Himmel recken müssen, und 61 000 auf dem überfüllten Megaland-Areal sind wie hypnotisiert. 62 Jahre ist der Boss mittlerweile, die Show in Köln am Abend zuvor hat Spuren hinterlassen. Die Stimme klingt rau und heiser, die ersten beiden Songs, alle von seinem aktuellen Album „Wrecking Ball”, kommen etwas müde über die riesige Bühne. Aber spätestens „My City of Ruins” rauscht heran wie ein Wirbelsturm, und dann gibt es kein Halten mehr.

Zweieinhalb Stunden spielt Springsteen bei Pinkpop, er füllt sie mit Energie und Leidenschaft, bis zur Erschöpfung. 17 Musiker hat er dabei: die gute alte E-Street-Band mit Verstärkung. Einer fehlt allerdings, der vor drei Jahren noch dabei war bei Springsteens erstem Pinkpop-Auftritt: Saxofonist Clarence Clemons ist vor knapp einem Jahr gestorben. Springsteen erinnert immer wieder an ihn, aber auch das wird nie peinlich. Im Publikum verdrücken sie da die ersten Tränchen, später dann, bei „The River” fließen sie tatsächlich hemmungslos.

23 Titel sind an diesem Abend zu hören, sie sind ein denkwürdiger Abschluss eines insgesamt soliden Pinkpop-Programms. Alle Klassiker sind dabei. Bei „Hungry Heart” holt Springsteen dann Mumford & Sons auf die Bühne, deren Auftritt er zuvor mit viel Vergnügen beobachtet hatte. Die jungen Briten erweisen sich als nicht sonderlich textsicher, machen dieses Manko aber mit fast ehrfürchtiger Begeisterung wieder wett.

Die Band um Sänger und Gitarrist Marcus Mumford wird als vielleicht größte musikalische Entdeckung des Festivals in Erinnerung bleiben. Wer ihr Debüt-Album „Sigh No More” als nett, aber etwas leichtgewichtig im Ohr hat, darf nun versichert sein: Live funktioniert dieser versponnene Folk-Rock ganz vorzüglich. Das ist vielleicht kein klassischer Festival-Rock, aber delikat und immer für eine überraschende Wendung gut.

Und ansonsten? The Hives aus Schweden vielleicht, deren Garagen-Punk in Frack und Zylinder abgeht wie die Post. Die Allüren von Frontmann und Ober-Diva Pelle Almqvist nerven allerdings sogar auf der Kurzstrecke von einer Stunde. Herbert Grönemeyer schart am Nachmittag auf der kleinen Bühne nicht nur die deutsche Gemeinde um sich. Festivalgerecht knödelt er sich vor allem durch ältere Stücke, seine Rampensau-Qualitäten inklusive niederländischen Ansagen funktionieren auch hier beachtlich.

Sollte er die Springsteen-Gala ein paar Stunden später verfolgt haben, wird er allerdings noch einiges gelernt haben.

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