Aachen: Brigitte Franzen verlässt das Aachener Ludwig Forum

Aachen: Brigitte Franzen verlässt das Aachener Ludwig Forum

Diese Nachricht dürfte in der Kulturszene nicht nur der Region für viel Aufsehen sorgen: Brigitte Franzen, seit Anfang 2009 Leiterin des Aachener Ludwig Forums, verlässt das Haus und wird zum 1. Mai neuer geschäftsführender Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung. Franzen bleibt damit ihrer bisherigen Arbeit verbunden.

Das Ludwig Forum ist eines von weltweit 26 Museen, auf die die von Peter und Irene Ludwig zusammengetragene Sammlung verteilt ist. Die Stiftung, die die überraschende Personalie am Montag per Pressemitteilung publik machte, hat ihren Sitz außerdem in Aachen.

„Komplexe Herausforderung“

Ein Abschied also nach knapp sechseinhalb Jahren. Sie gehe mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Franzen am Montag gegenüber unserer Zeitung. Konkret bedeutet das: Sie freue sich ganz offen auf die neue Herausforderung und darauf, im Jahr vor ihrem 50. Geburtstag der eigenen beruflichen Karriere noch einmal eine neue Richtung geben zu können. „Es wird ungeheuer spannend sein, die Sammlung in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium der Stiftung weiterentwickeln und die Aktivitäten der Stiftung selbst auf die Zukunft ausrichten zu können“, sagte Franzen. Sie nennt ihre neue Tätigkeit eine „komplexe Herausforderung“, bei der sie auf alte Bekannte treffen wird: „Ich kenne die allermeisten Leiter und Kuratoren der Häuser, in denen die Sammlung der Ludwigs zu sehen ist.“ Bei der Stiftung tritt sie die Nachfolge von Walter Queins an, der von Anfang an dabei war und der bis Mitte des Jahres Franzens Einarbeitungszeit begleiten wird.

Und das „weinende Auge“? Franzen: „Ich liebe das Ludwig Forum. Es fällt mir sehr schwer, Abschied vom Haus und von meinen tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nehmen zu müssen.“ Die hat sie am Montag selbst informiert, die Überraschung war groß. „Wir haben das Haus in den vergangenen Jahren gemeinsam neu und sehr gut aufgestellt. Und wir haben durch konzeptionelle und bauliche Maßnahmen (Stichwort Klimaanlage, Anm. d. Red.) die Voraussetzung für große und auch überregional beachtete Ausstellungen geschaffen.“

Dass es immer wieder auch scharfe Diskussionen über die Ausrichtung des Hauses, über seine Positionierung innerhalb der Stadt, über Kürzungen und schwache Besucherzahlen gegeben hat, gehört mit zur Geschichte Franzens in Aachen. Nein, betont sie, das habe sie nicht zermürbt — wenn auch „bisweilen genervt“. Aber diese Diskussion habe nie das Renommee gespiegelt, das das Haus, das Franzen immer als „Laboratorium“ verstanden wissen wollte, überregional genieße.

Aachens Kulturdezernentin Susanne Schwier betonte, das Ludwig Forum verliere eine international erfahrene Expertin für die Ausstellungen moderner Kunst. Für die Stadt werde es nun darum gehen, „schnellstmöglich Anstrengungen zu unternehmen, diese Lücke zu schließen und gleichzeitig diese wichtige Entscheidung mit Ruhe, Augenmaß und unter Einbeziehung der Beratung durch die Ludwig Stiftung anzugehen“. Wie die Lücke geschlossen werden soll und in welchem Zeitraum, dazu gab die Stadt keine weiteren Informationen. Schwier erklärte, für die Stiftung sei „diese Personalie ohne Frage ein Gewinn“.

Die Stiftung selbst hielt sich bis auf die Pressemitteilung eher bedeckt. Nur so viel: „Es war ein ganz normales Bewerbungsverfahren, es gab viele Interessenten“, sagte Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung. Was den Ausschlag für Franzen gegeben habe — außer der Tatsache, dass sie eine „international anerkannte Expertin“ sei — und welche Herausforderungen und Perspektiven nun auf die neue Frau im Vorstand warten, dazu wollte sich Pfeiffer-Poensgen nicht konkreter äußern. „Wir werden darüber zum gegebenen Zeitpunkt mit Brigitte Franzen informieren.“

Franzen hatte Anfang 2009 die Nachfolge von Harald Kunde am Ludwig Forum angetreten. Zuvor war sie seit 2005 Kuratorin für Gegenwartskunst am Westfälischen Landesmuseum Münster. Die Stiftung war im Oktober 1982 als Ludwig Stiftung für Kunst und internationale Verständigung GmbH von Irene und Peter Ludwig gegründet und nach dem Tod von Peter Ludwig am 22. Juli 1996 in Peter und Irene Ludwig Stiftung umgewidmet worden. Ihre in der Satzung festgeschriebene Aufgabe: „Erwerb und Verwaltung von Kunstwerken und Kunstgegenständen einschließlich der Durchführung von Ausstellungen und leihweiser Überlassung für Ausstellungen, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, Gewährung finanzieller Hilfen für den Erwerb bzw. der Erhaltung von Kunstwerken, Unterstützung von Ausstellungsvorhaben.“ Irene Ludwig starb im November 2010 im Alter von 83 Jahren. In ihrem Testament setzte sie die Stiftung als Alleinerbin ein.

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