Köln: Brennend aktuell: Lithographien von Honoré Daumier in Köln

Köln: Brennend aktuell: Lithographien von Honoré Daumier in Köln

Sie sind mindestens 135 Jahre alt, aber ihre Aktualität hat kein Stück gelitten. Sie zeigen feiste Parlamentarier, selbstgerechte Richter und windige Spekulanten. Erzählen vom Spießerglück des Kleinbürgers, dem mitunter absurden Diktat der Mode oder dem fragilen Gleichgewicht der Kräfte, das, einmal in Schieflage geraten, in den Hurra-Patriotismus des Krieges mündet.

Zwischen 1832 und 1874 schuf Honor Daumier etwa 4000 Lithographien, die vor allem in Tages- und Wochenzeitschriften Verbreitung fanden. Sein Ruhm beruht zum einen auf künstlerischer und technischer Vollendung, zum anderen auf dem Talent, politische und soziale Verhältnisse auf den Punkt zu bringen.

Anlässlich des 200. Geburtstags des Mannes, zu dessen Bewunderern Künstler wie Edgar Degas und Vincent Van Gogh zählten, zeigt das Kölner Käthe Kollwitz Museum die Schau „Honoré Daumier: Provocation & Finesse”. Provokativ und raffiniert sind sie fürwahr, die rund 100 Graphiken und Skulpturen, die dort zu sehen sind, eine Auswahl der besten Werke des Künstlers.

Daumier, der aus einfachen Verhältnissen stammte und mit 14 Jahren das Zeichnen erlernte, ist ein Meister der Karikatur. Seine satirischen Darstellungen, publiziert in Journalen wie „La Caricature” oder „Le Charivari”, brachten ihm Gefängnis ein, aber auch den Ruf eines Chronisten, der mit wachem Blick und spitzer Feder den Finger stets auf die Wunden der Zeit legte.

Die brillanten Blätter thematisieren Frieden, Fortschritt und Frauenbewegung, Geilheit, Gewalt und Geldgier, Wahlrecht, Willkür und Wirtschaft. Lithografien von gemordeten Menschen, das Gesicht eines machthungrigen Regenten, das zur Form einer Birne komprimiert wird, oder die Darstellung eines Anbieter wertloser Aktien: All das könnten Streiflichter aus dem Leben von heute sein.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. April im Käthe Kollwitz Museum Köln, Neumarkt 18-24, zu sehen. Öffnungszeiten: Di. bis Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa./So. 11 bis 18 Uhr. Eintritt: 3 Euro, erm. 1,50 Euro.