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Aachen: Bosch findet einen glücklichen Zugang

Aachen : Bosch findet einen glücklichen Zugang

Auch das miserable Wetter kann Aachens Musikfreunde nicht davon abhalten, den Dom bis auf den letzten Platz zu füllen, wenn Marcus R. Bosch und das Aachener Sinfonieorchester zum Domkonzert einladen.

Der große Zuspruch ist sicher nicht nur dem Eintritt zum Nulltarif und den attraktiven Werken zu verdanken, sondern vor allem der durchgehend hohen Qualität der Interpretationen. Das trifft auch auf die Aufführung des Requiems von Giuseppe Verdi zu, für das Bosch, wie zuletzt schon in Bachs Messe in h-Moll und Mendelssohns „Paulus”, auf den von ihm gegründeten „Chor der vocapella” aus Heidenheim zurückgriff.

Bosch fand einen glücklichen Zugang zur emotionalen Tiefe des Werks, ohne sich in verkrampfter Seelenmassage oder gar bleischwerer Pathetik zu verlieren. Er bevorzugte gemäßigte Tempi und pflegte einen schlanken, den Nachhallwerten des Doms entgegenkommenden Klang mit weicher Grundierung.

Er ging wie gewohnt sehr sparsam mit Rubati um und sorgte für einen natürlich fließenden Duktus, der zu einem wesentlich weniger unterkühlten Ergebnis führte als in seiner letztjährigen Bach-Interpretation.

Heikler Satz

Das diente nicht zuletzt einer klanglichen Transparenz, die sich besonders erfreulich im kontrapunktisch dichten Doppelchor des „Sanctus” niederschlug. Diesen heiklen Satz, und nicht nur den, bewältigte der Chor erfreulich präzis und versiert, zudem blieben die Tücken der Akustik unter Kontrolle. Uas traf sogar auf die räumlich verstreuten Blech-Attacken des „Turba mirum” zu.

Neben Chor und Orchester bestimmt ein möglichst ausgeglichenes Solistenquartett den Rang einer Interpretation des reifen Werks. Angesichts der Schwierigkeit, vier absolut gleichwertige Sänger von Format zu finden, konnte sich das Resultat hören lassen.

Die konstanteste Leistung erbrachte Martin Blasius mit exzellenter Legato-Kultur und rabenschwarzer Bassfülle. Der Tenor Michael Ende wirkte diesmal ein wenig nervös und konnte sich selbst im Laufe der Aufführung nicht ganz frei singen.

Einen ähnlichen Eindruck hinterließ auch die Mezzosopranistin Gabriele May. Anders die Sopranistin Melba Ramos, der nach flachem Beginn wunderschöne Momente gelangen.

Insgesamt eine eindrucksvolle Aufführung eines der wertvollsten Chorwerke der Musikliteratur.