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Bonn/München: Bonner Ableger des Deutschen Museums soll geschlossen werden

Bonn/München : Bonner Ableger des Deutschen Museums soll geschlossen werden

Menschengroße Dominosteine umwerfen, in einem Karussell die Corioliskraft kennenlernen oder geheime Botschaften mit Zitronensaft entschlüsseln: Das Deutsche Museum in Bonn setzt auf Lernen durch positive Erlebnisse.

Doch der kleine Ableger des weltweit renommierten, gleichnamigen Hauses in München macht gerade schwere Zeiten durch. Die Stadt Bonn will das Museum schließen.

„Die Sparmaßnahmen der Stadt treffen uns am härtesten“, sagt die Leiterin der Bonner Außenstelle, Andrea Niehaus. „Dabei arbeiten wir mit nur drei Planstellen äußerst innovativ und erfolgreich.“ Insgesamt geht es um 830.000 Euro im Jahr für den laufenden Betrieb und die Miete. Spätestens 2018 soll nach dem Willen der Stadt Schluss sein, nach mehr als 20 Jahren. 1995 wurde die Einrichtung am Rhein extra aufgebaut, um den Strukturwandel nach dem Umzug der Bundesregierung positiv zu gestalten. Rund 65.000 Besucher kommen im Durchschnitt pro Jahr. „Der Laden brummt“, sagt Niehaus.

Die Stadt Bonn hält dagegen: „Es ist in Deutschland einmalig, dass eine Kommune den größten Teil der Betriebs- und Personalkosten und die gesamte Miete dauerhaft übernehmen soll“, erklärt eine Sprecherin. „Aufgrund der Haushaltslage kann diese freiwillige Maßnahme nicht mehr in dem Umfang wie bisher geleistet werden. Die Einsparungen sind notwendig, um den Haushalt bis 2021 auszugleichen.“

Im Mutterhaus in München macht man sich bereits große Sorgen um den Bonner Standort. „Es wäre jammerschade, wenn die Einrichtung schließen müsste“, sagt Gerrit Faust, Sprecher des Deutschen Museums in der bayerischen Hauptstadt. Doch eigentlich hat man dort eigene Probleme — in anderer Größenordnung: Der denkmalgeschützte Prachtbau an der Isar soll bis 2025 für mehr als 440 Millionen Euro saniert werden. Die Vorbereitung für die Bauarbeiten laufen. Doch das Geld wird nicht reichen, um alles instand zu setzen.

Zur Not sei natürlich noch Platz für die Exponate aus Bonn, auf den 74.000 Quadratmetern, räumt Faust ein. Unter anderem müsste ein 25 Meter langer und viele Tonnen schwerer Transrapid umziehen. Dieser steht vor dem Museum im Wissenschaftszentrum. Hinzu kämen noch um die Hundert weitere naturwissenschaftliche und technische Ausstellungsstücke.

Dass eine Schließung des Bonner Standorts am Image des Deutschen Museums kratzen könnte, glaubt Faust nicht. „Die Kernmarke wird nicht beschädigt“. Doch vielleicht ist genau das das Problem: Im Bonner Stadtrat sind viele der Ansicht, dass die Dauerausstellung nicht mehr zeitgemäß ist und einer mittelfristigen Überarbeitung bedarf. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, das Mutterhaus in München sei zudem wesentlich moderner und auch wesentlich präsenter. Viele wüssten außerdem gar nicht, dass der Bonner Ableger überhaupt existiere. Und brauche man den überhaupt?

Das hört Niehaus oft und räumt ein: „Unser Standort ist sicherlich nicht der beste“. Das Haus gehört zwar offiziell zur Bonner „Museumsmeile“, liegt aber nicht an der schicken Allee mit Straßenbahnanschluss wie die Bundeskunsthalle oder das Haus der Geschichte. Vielmehr ist es in einer Seitenstraße stadtauswärts beherbergt — noch dazu in den Untergeschossen des Wissenschaftszentrums. Und die Haltestelle „Deutsches Museum“ ist meilenweit entfernt davon.

Bei den Schulen in der Region kommt das Haus aber seit Jahren gut an. Das Haus schafft, was Lehrern oft nicht gelingt: für Mathematik, Physik, Chemie oder Informatik zu begeistern. Rund 3000 Schüler besuchen den „außerschulischen Lernort“ pro Jahr. Das Gästebuch ist voll mit positiven Einträgen.

Prominentester Fürsprecher des Hauses ist Ranga Yogeshwar, der in Bad Honnef bei Bonn lebt. Er ist auch im Kuratorium des Deutschen Museums und an vielen Projekten beteiligt. Im „Bonner Generalanzeiger“ warnte der TV-Journalist und Physiker erst im März davor, dass die Stadt Bonn sich mit der Entscheidung, die Unterstützung einzustellen, als Wissenschaftsstadt selbst infrage stelle.

Doch noch ist nicht alles verloren für den Standort. Bei der Stadt heißt es, dass mit „verschiedenen Partnern Gespräche geführt werden, um gemeinsam nach Möglichkeiten zur Fortführung des Museums oder einer veränderten Konzeption zu suchen“. Auch die Industriebetriebe und die IHK wollen das Haus retten mit alternativen Finanzierungskonzepten. Vier Firmen haben bereits ihre Hilfe zugesagt. IHK-Präsident Wolfgang Grießl glaubt: „Bonn hat durch den Wegzug der Regierung ohnehin schon einen verschlafenen Ruf. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, das Museum zu halten: Andere Städte würden sich freuen und scharren schon mit den Hufen.“