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Bonn: Bonn startet auf dem Museumsplatz in die Open-Air-Saison

Bonn : Bonn startet auf dem Museumsplatz in die Open-Air-Saison

Hätten die Strategen der Bundeskunsthalle in Bonn vorher gewusst, dass der April der wärmste aller Zeiten werden würde, dann hätten sie die Open-Air-Saison auf dem Museumsplatz sicher früher gestartet. So beginnt die Konzertstaffel eben regulär am 12. Mai mit dem Auftritt der texanischen Blues-Rock-Veteranen Johnny Edgar Winter, die den Gitarristen Rick Derringer mitbringen.

Bis Mitte September finden unter dem weit geschwungenen Zeltdach des Platzes, der bis zu 8000 Gäste fasst, 28 Konzerte und Events statt. Auch in diesem Jahr ist die Angebotspalette sehr breit gefächert. Vom altgedienten Jazz-Trompeter Wynton Marsalis (6. Juli) reicht sie über die deutsch-irische Pop-Band Reamonn (10. Juni) bis zum Dancehall-Kollektiv Seeed (3. August).

Und Atze Schröder (3. Juni) kommt ebenso auf den schönen Platz zwischen Bundeskunsthalle und Kunstmuseum wie der Volksmusikant Hansi Hinterseer mit seinem „Tiroler Echo” (2. August) oder der spanische Startenor José Carreras, der am 8. September seine wohl tönende Stimme von der Neuen Philharmonie Frankfurt begleiten lässt.

Der Carreras-Auftritt ist auch der teuerste der diesjährigen Staffel: Das teuerste Ticket kostet 120,25 Euro. Mit großem Abstand folgt die Eintrittskarte für James Last mit einem Spitzenpreis von 88,15 Euro. Und bei Cesaria Evora, der barfüßigen Diva von den Kapverdischen Inseln, muss man für den besten Platz 65,90 Euro berappen. Während im Vorjahr das Konzert der Teenie-Band Tokio Hotel ebenso frühzeitig ausverkauft war wie 2005 der Auftritt der Rockband R.E. M., so sind in diesem Jahr noch für alle Konzerte Tickets zu haben.

Auch in diesem Jahr wartet die Kunsthalle wieder mit etlichen Stars auf, auch wenn Zahl und Format der großen Namen nicht ganz an das Niveau der Vorjahre heranreichen, als absolute Weltstars wie Elton John, Juanes, Deep Purple, Diana Ross oder Liza Minnelli an den Rhein kamen. Neben Carreras zählen dieses Jahr die Soul-Gruppe Earth, Wind & Fire (17. Juni), die Gitarren-Rock-Veteranen Status Quo (23. Juni), die Pop-Combo Foreigner (13. Juli) und der britische Shooting-Star Katie Melua (14. Juli) zu den Top-Acts.

Besondere Vorsicht lässt die Kunsthalle diesmal bei dem als Provokateur verschrieenen Deutsch-Rapper Bushido walten, dessen obszöne Texte oft für Empörung sorgen. „Jugendliche unter 14 Jahren haben generell zu diesem Konzert keinen Zutritt”, warnen die Veranstalter. Und Jugendliche unter 16 dürfen das Konzert nur in Begleitung von Vater oder Mutter oder eines aufsichtsberechtigten Erwachsenen besuchen.

Dass die Zahl der Konzerte spürbar hinter der der beiden Vorjahre zurückbleibt, hängt mit dem Konflikt um die Finanzierung der Veranstaltungen zusammen, die in den beiden Vorjahren je rund 200.000 Besucher anlockten. Der Haushaltsausschuss des Bundestages beschloss nämlich im März, dass die Kunsthalle die Verträge zu allen Konzerten aus den Jahren 2006 und 2007 gegenüber dem Bundesrechnungshof offen legen solle und weitere Vertragsabschlüsse für Konzerte umgehend stopp solle.

Der Ausschuss reagierte damit auf einen Bericht des Rechnungshofs. Dieser hatte bemängelt, dass die vom Bund mit 17 Millionen Euro im Jahr geförderte Kunsthalle Freiluftkonzerte und im Winter eine Open-Air-Eisbahn organisiere. Beides Aktivitäten, die „keinen unmittelbaren Zusammenhang” zur Kernaufgabe der Kunsthalle erkennen ließen, Ausstellungen zu organisieren. Durch derartige Veranstaltungen seien zwischen 2002 und 2005 Verluste von mehr als fünf Millionen Euro entstanden, die die Kunsthalle mit Fördermitteln des Bundes ausgeglichen habe.

Auf ddp-Anfrage teilte die Pressestelle der Kunsthalle mit, es gebe keine neuen Entwicklungen. Man warte auf die nächste Sitzung des Haushaltsausschusses am 23. Mai. Bis dahin müssen sich auch Konkurrenten in Köln und Düsseldorf gedulden, die gerne in die Bresche springen würden, falls die erfolgreichen Bonner Veranstalter die Konzerte weitgehend einstellen müssten.