Köln: Bodenschatz wird nun aufpoliert

Köln : Bodenschatz wird nun aufpoliert

Zwei Päpste beteten schon auf dem buddhistischen Teppich: Der Kölner Dom lässt seine jüngst erkannte Kostbarkeit, eine Gebetsmatte aus einem chinesischen Kloster, reinigen und aufarbeiten.

„Danach kommt er wieder an seinen alten Platz. Von wo sollten Gebete besser emporsteigen als vor dem Hochaltar?”, sagte Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner bei der Präsentation des langen, schmalen Teppichs.

Der Schatz aus dem 18. Jahrhundert lag über 40 Jahre unerkannt als „chinesischer Läufer” im Chor des Doms, bevor sein wahrer Wert kurz vor Weihnachten ans Licht kam.

Der chinesische Teppichhändler Sammy Lee hatte das Stück 1960 der Kölner Kathedrale gestiftet. „Die Bewunderung für den Dom ist ja universell, und es hat Charme, dass ein Chinese dem Dom ein solches Stück schenkt”, sagte Adele Schlombs, Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln, die den Wollteppich begutachtete.

Lee habe offenbar gewollt, dass auf dem Teppich wieder gebetet werde. Das taten nicht nur Priester, wenn sie vor dem alten Hochaltar am Dreikönigsschrein zelebrierten. Auch die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben auf dem Teppich gestanden, auf dem in früheren Jahrhunderten buddhistische Mönche saßen.

Seit der Schenkung 1960 war bekannt, dass im Domchor, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, ein chinesischer Teppich lag. Aber erst als Schlombs ihn sich nun genauer anschaute, wurde klar, wie wertvoll er ist.

Eine Ausstellung chinesischer Teppiche im Ostasiatischen Museum öffnet bis zum 15. Januar den Blick für den Schatz im Dom. Er ist gut fünf Meter lang, 53 Zentimeter breit und besteht aus zehn gleichen Quadraten, auf denen die Mönche Platz nahmen. Jedes Quadrat ist symmetrisch aufgebaut und zeigt stilisierte Lotusblüten und eine Linie, die an einen Drachen erinnert.

Während der kommunistischen Kulturrevolution in China mussten Klöster - wie auch Privatleute - ihre Schätze abgeben, die dann vom Staat oft ins Ausland verkauft wurden. Schlombs erkannte an Machart und Verzierung, dass der Dom-Teppich aus der nordwestlichen Provinz Ningxia kommen muss. Die Blautöne deuten auf die Entstehung zwischen 1750 und 1800 hin.

Den Wert wollte Schlombs nicht beziffern. Die Preise für chinesische Kunst seien stark gestiegen, auch deshalb, weil die aufstrebende Wirtschaftsmacht die seinerzeit verkauften Schätze nun zurückzuholen versuche.

Der Teppich wird jetzt gereinigt, damit seine Farben wieder aufleuchten, und in seiner Struktur gefestigt. Danach kommt er an seinen alten Platz im verschlossenen Chor. Dort ist er vor Diebstahl geschützt.


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