Aachen: Blick auf die Kinder lässt Kälte vergessen

Aachen : Blick auf die Kinder lässt Kälte vergessen

Eigens aus Dubai kam sie angeflogen, Prinzessin Haya von Jordanien. Sonne, streichelnder Wind, blauer Himmel. Am Samstag saß sie dann fröstelnd im Wintermantel in der Halle des Aachener Reittherapiezentrums Kohlsweg, um dessen Einrichtung es im Vorfeld mit anderen Reittherapieanbietern intensive Diskussionen gegeben hatte.

Draußen prasselte der Regen, machten sich Nebel und lausige Temperaturen breit. Aber Haya lächelte - wie meistens. Und ihr Klimaschock hatte sich mit dem Blick auf die 121 Kinder gelohnt, die dem Projekt angeschlossen sind. „Ganz gleich, wie groß körperliche oder seelische Belastungen sein mögen, sobald man in der Nähe eines Pferdes ist, fühlt man sich auf einmal wunderbar gelöst und befreit”, sagte die Präsidentin des Weltreiterverbandes FEI.

Und schon traten dutzende Kinder auf Island-Ponys zu den Klängen von „Pippi Langstrumpf” den Beweis an: Jungen und Mädchen, teils im Querschnitt, halbseitig oder spastisch gelähmt, teils blind oder beinamputiert, geistig behindert oder verhaltensgestört. Sie strahlten um die Wette und ritten vor den Augen zahlreicher Ehrengäste, um zu präsentieren, was sie von Reittherapeutin Kerstin Keus bereits gelernt hatten: Bewegung für Körper, Geist und Seele - in Freundschaft und Vertrauen zu ihren Vierbeinern.

80.000 Euro hatte die FEI für das „Abenteuerland Kohlshof” während der Reit-WM gespendet, jetzt wurde es endlich eröffnet: „Zweieinhalb Jahre hat es allein gedauert, bevor der Bauantrag gestellt werden konnte”, deutete ALRV-Präsident und Unterstützer Klaus Pavel ein hartes Ringen mit den Behörden an, bevor von allen Seiten grünes Licht für die 13 Hektar-Anlage im Naturschutzgebiet Grüne Eiche gegeben worden war.

Seitdem können sich 121 Kinder in der neuen Reithalle (38 mal 19 Meter) mit Hilfe von Kerstin Keus sowie zwei Krankengymnasten und zwei Reitpädagogen in den drei Therapie-Bereichen austoben: 20 Pferde in offenen Stallhaltungen stehen dem Hof zur Verfügung. Prinzessin Haya hat Erfahrung mit dem Thema, während ihrer Schulzeit in England jobbte sie als Pferdepflegerin im therapeutischen Reiten: „Man konnte den Tieren deutlich ansehen, wie sehr sie sich bemühten, keinen falschen Schritt zu machen.” Dass dies auch für die Ponys vom Kohlshof gilt, war schnell zu erkennen.

Neben der FEI-Spende, überreicht durch die Königliche Hoheit, sorgte vor allem eine Fabrikantenfamilie, die nicht genannt werden will, für die finanziellen Mittel, die das 17. Deutsche Reittherapiezentrum entstehen ließ. „Ich danke allen von Herzen fürs Durchhalten und den Glauben an die gute Sache”, sagte Kerstin Keus gerührt, bevor Bürgermeisterin Hilde Scheidt „die Einzigartigkeit des Zentrums in unserer Region” würdigte.

Den Architekten Angela Jansen und Jost Gellinek ist dabei eine Quadratur des Kreises gelungen - der Bau in einem Landschafts- und Wasserschutzgebiet. „Ungezählte Auflagen führten zu einer erheblichen Herausforderung”, so Gellinek und Jansen, deren Handschrift zur Verträglichkeit führte: Ausgleichspflanzungen, neue Versickerungssysteme, Dachbegrünungen, ausschließliche Verwendung von Naturmaterialien, bauliche Abstufungen in der Hanglage, „damit nichts voluminös aussieht”.

Happyend für Haya und den Kohlshof zu den Klängen von „Pippi Langstrumpf” und den Ritten der Kinder. Nur das Rednerpult stand im Weg. Pavel war anzumerken, dass seit Jahren genug Zeit verloren wurde. Er schnappte sich das Holzteil und schleifte es selber zum Ausgang.