Düren: Bleibt Kunst-Diebstahl in Düren ungesühnt?

Düren: Bleibt Kunst-Diebstahl in Düren ungesühnt?

Es klingt wie eine schlechte Räuberpistole: Vor mehr als zehn Jahren soll ein früherer Mitarbeiter des Leopold-Hoesch-Museums in Düren zwei Bilder entwendet und beide dann im Jahr 2010 über eine Berliner Kunstgalerie versteigert haben. Knapp 22.000 Euro wurde für die Gemälde damals erzielt.

Aufgefallen ist der Verlust im Hoesch-Museum zwar schon vor vier Jahren, dass es sich um einen Diebstahl handelte, weiß man aber definitiv erst seit einem Jahr. Pech für die Stadt, weil zwischenzeitlich die Verjährung eingetreten ist und die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen eingestellt hat.

Zwischen 1495 und 1500 hat ein Kölner Meister das Bild des Heiligen Ludwig von Toulouse gemalt. Als „Leckerbissen“ der Abteilung der Gemälde des 15. bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert wurde das Bild auf einer Kunstmarktseite im Internet im Vorfeld der Auktion angepriesen.

Besonders wertvoll mag es nicht mal sein, hat aber einen eindeutigen Bezug zu Düren: Es war mal ein Teil eines Altarflügels der Dürener Franziskanerkirche. Erworben werden konnte es vom Museum 1936 dank einer Spende eines Dürener Bürgers. Bei dem zweiten gestohlenen Bild handelt es sich um eine Darstellung der Heiligen Drei Könige auf Kupfer — es ist Teil einer Stiftung und gehört dem Museumsverein.

Unter welchen Umständen die Bilder abhanden gekommen sind, lässt sich auch für die Stadt Düren nicht genau klären. Dass es Unstimmigkeiten in den Beständen gab, war schon etwas länger klar. Das hat damit zu tun, dass für den Um- und Anbau des Hoesch-Museums das Depot ausgelagert und erst mit dem Rückzug 2010 die Inventarliste in eine digitale Bestandsdatenbank eingepflegt wurde. „Anlässlich der Rückführung 2011 wurde die alte Inventarliste mit der neuen Liste verglichen“, erklärt Rechtsdezernentin Christine Käuffer.

Dabei sind Unstimmigkeiten aufgefallen. In fast allen Fällen handelte es sich aber um Probleme bei der Inventarisierung, zum Beispiel doppelt vergebenen Nummern. „Erst im Rahmen der systematischen Provenienzforschung ist Dr. Kai Artinger vom Hoesch-Museum der Katalog zu der Berliner Auktion im Jahr 2010 in die Hände gefallen“, erklärt Christine Käuffer. Abgebildet war der in Düren vermisste Altarflügel. Besonders pikant an dem Vorgang: Ein bis Ende 2006 beim Museum beschäftigter Mitarbeiter soll das Bild zur Auktion eingereicht haben.

Versteigert wurde das Bild vom Berliner Kunsthaus Bassenge. „Uns ist der Fall seit etwa einem Jahr bekannt. Wir haben eng mit den Ermittlern zusammengearbeitet“, erzählt Geschäftsführer David Bas-senge. Bilder, die bei ihm zur Auktion kommen, werden stets überprüft.

„Wir greifen bei jeder Auktion auf das Art-Loss-Register zurück. Hier können Museen, Privatleute oder Behörden als gestohlen gemeldete Kunstwerke eintragen. Wenn dann ein Hinweis aufploppt, versteigern wir die Kunstgegenstände nicht.“

Im Dürener Fall konnte 2010 nichts „aufploppen“, weil man den Diebstahl bis dahin gar nicht bemerkt hatte, sondern erst fünf Jahre später nur durch den Ausstellungskatalog wieder auf das Bild aufmerksam wurde. Da war es allerdings zu spät — der Diebstahl war verjährt. „So haben wir zwar den merkwürdigen Fall, dass wir einen Diebstahl haben, aber keinen Täter“, sagt Helmut Göddertz, Sprecher der Stadt Düren. Und das, obwohl die Indizienkette nahelegt, wer das Bild entwendet hat.

Dürens Rechtsdezernentin Christine Käuffer: „Wir wollen jetzt einen zivilrechtlichen Prozess anstrengen, um den Schaden auszugleichen.“ Die Bilder selbst wird das Museum nicht zurückerhalten können. Göddertz: „Die Bilder haben einen neuen Eigentümer, der sie zu Recht erworben hat.“

Über die Motive des Täters, der den Kunstraub gegenüber der Staatsanwaltschaft nach Auskunft der Stadt Düren bestritten haben soll, kann man nur spekulieren. Immerhin sind die Bilder nicht besonders wertvoll und das Hoesch-Museum eher für moderne Kunst bekannt. Helmut Göddertz: „Der Täter konnte bei diesen Werken davon ausgehen, dass ein Verlust nicht so schnell auffällt. Diese Motive werden nicht ausgestellt und nur sehr selten angefragt.“

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