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Münster/Düsseldorf: Blauzungenkrankheit: Neue Fälle durch unsachgemäße Impfung?

Münster/Düsseldorf : Blauzungenkrankheit: Neue Fälle durch unsachgemäße Impfung?

Die in den Niederlanden aufgetretenen Fälle einer neuen Art von Blauzungenkrankheit sind möglicherweise Folgen einer unsachgemäßen Impfaktion.

Ein Sprecher des NRW-Landwirtschaftsministeriums bestätigte am Dienstag einen Vorabbericht der „Bild”-Zeitung (Mittwoch). Ein EU-Referenzlabor in Großbritannien habe festgestellt, dass es sich bei dem in den Niederlanden aufgetretenen Virustyp um ein Impfvirus handele, sagte ein Sprecher des NRW-Agrarministeriums in Düsseldorf.

„Das heißt, irgendwann wurde irgendwo ein Lebendvirus eingesetzt, der übertragbar ist.” Eine solche Impfung sei nicht zugelassen. Dies sei jedoch zunächst nur ein „Baustein”, um zu rekonstruieren, was der Auslöser für den neuen Virustyp 6 war, so der Sprecher. „Wir wissen noch nicht, wo und wann er eingesetzt wurde.”

Nach Informationen von „Bild” sollen niederländische Landwirte ihre Tiere offensichtlich mit einem in der Europäischen Union verbotenen Serum aus Südafrika gegen die Seuche geimpft haben. Darauf seien als Folge der Verabreichung des Stoffes die Symptome der Blauzungenkrankheit bei Rindern, Schafen und Ziegen aufgetreten. Die Krankheit ist für Menschen ungefährlich, kann aber in Tierbeständen enormen Schaden verursachen. Beim jüngsten Seuchenzug in Nordrhein- Westfalen 2006/2007, als 30 000 Tiere verendeten, musste die Tierseuchenkasse 12,5 Millionen Euro zahlen.

Am Montag hatten deutsche Behörden Transportverbote für Tiere aus den Niederlanden erlassen. Die strengsten Vorkehrungen wurden in den Münsterlandkreisen Borken und Steinfurt getroffen. Dortige Bauernhöfe liegen teilweise nur 20 Kilometer von den betroffenen Betrieben in den Niederlanden entfernt.

Ein Sprecher des Landwirtschaftsverbandes Westfalen-Lippe sagte in Münster, es müsse schnellstmöglichst ein Impfstoff für den neuen Erregertyp entwickelt und flächendeckend eingesetzt werden. Die EU in Brüssel hat unterdessen zusätzliche Mittel für den Kampf gegen die Tierseuche bereitgestellt. Statt der geplanten 60 Millionen Euro sollen 100 Millionen Euro dafür ausgegeben werden.