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Köln: Bizarre Schattenwelt

Köln : Bizarre Schattenwelt

Er gilt als der Großsiegelbewahrer der „Dark Tradition”: Edgar Allan Poe (1809-1849) war Autor, Dichter und Theaterkritiker. Im Rahmen der lit.Cologne entführten Iris Berben und Ulrich Pleitgen in seine bizarr-morbide Schattenwelt.

Auch mehr als 150 Jahre nach seinem Tod ist das Interesse an Poe noch immens. Das, was Iris Berben (54) und Ulrich Pleitgen (58) im Wechsel lasen, sind Versatzstücke aus der Edgar-Allan-Poe-Hörspielreihe, die seit November 2003 im Lübbe-Audio-Verlag erscheint und inzwischen auf stolze acht Teile angewachsen ist.

Dafür wurde eine Rahmenhandlung geschaffen, die Poe (Pleitgen) als Mann ohne Gedächtnis auf einer alptraumhaften Reise zu sich selbst zeigte, begleitet von einer jungen Frau namens Leonie (Berben). Wer sich nicht genau im Poeschen Literatur-Kanon und seiner eng damit verbundenen Biografie auskannte, für den war das verwirrend. Man hätte mehr erklären müssen.

Vielleicht war das ein Grund, warum relativ viele Zuhörer vorzeitig die anderthalbstündige Lesung verließen. Wer blieb, durfte eine ironisch-zärtliche, poetisch-sanfte und ungemein zauberhafte Leonie erleben, die einem ängstlich-gehetzten, misstrauisch-verwirrten und sehr ergreifenden Poe zur Seite stand. Fünf junge Musiker des Filmorchesters Berlin setzten dazwischen barocke und mittelalterliche Glanzpunkte.