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Aachen: Bittere Wahrheit bleibt aktuell: „Feelgood” im Grenzlandtheater

Aachen : Bittere Wahrheit bleibt aktuell: „Feelgood” im Grenzlandtheater

Was darf es denn sein aus dem Gemischtwarenladen von falschen Versprechungen, salbungsvollen Absichtserklärungen und effektvollen Philosophien? Alistair Beaton hat bei den Politikern aller Farben und Nationen gut hingehört.

Sein Stück „Feelgood”, eine Polit-Satire mit nur allzu gegenwärtigem Bezug, hinterlässt alles andere als ein Gefühl des „Fühl-Dich-Wohl”.

Intendant Manfred Langner hat das Stück des Briten, das 2001 in London uraufgeführt wurde und sogleich den „Evening Standard Award” erhielt, für das Grenzlandtheater in Szene gesetzt.

Das bemerkenswerte an „Feelgood” ist die Austauschbarkeit des Aufführungsortes. Hatte sich Beaton ursprünglich mit seiner Satire auf die Regierung Tony Blair konzentriert, so war auch in anderen Ländern der jeweilige nationale Bezug keine Frage.

Bis zum Schluss ist man gespannt, wie sich denn nun dieser „DL” präsentiert. Martin Zuhr macht aus seinem relativ kurzen, einzigen Auftritt ein realitätsnahe Polit-Show mit allen Zügen eines Gerhard Schröder - vom Verschleifen der Wortendungen bis zur Hand an der Nase.

Doch selbst hier schleicht sich eine Regie-Schwäche ein, die das gesamte Stück belastet: Es kommt zu Längen. Schon die anfänglichen Diskussionen um die super wichtige Rede nehmen kein Ende.

Oder die Aufdeckung des Genskandals, den der bieder-gierige George (Arnold Herff) mit seinem manipulierten Hopfen verursacht hat, wird trotz der pikanten Einzelheiten in ihrer ausgewalzten Länge öde.

Zigaretten und Wodka

Mit Volker Risch als Eddie, der von Ehrgeiz, Selbstsucht, Bosheit und Verschlagenheit gefressen wird (bei den Magenwänden fängt es schon an) hat Langner einen durchaus überzeugenden Protagonisten. Jens Woggon ist als Paul, der die Rede schreiben soll, eher eindimensional.

Arzu Emen als permanent pinkfarbene Klebezettelchen verteilende Asha im schwarzweißen Business-Kostümchen einer Wahlteam-Dame (wie aus einem US-Film), ist ebenso eine Karikatur wie wie Lisa Adler, die durchgedrehte, Wodka und Zigaretten konsumierenden Journalistin, der natürlich heiße und mordsgefährliche Recherchen gelingen.

Sie ist es allerdings auch, die ein bisschen mehr schauspielerischen Schwung in den Bühnenablauf bringt.

Gleichfalls ein Lichtblick: Eric Minsk - eingesprungen für Tom Jacobs - als quirliger Gag-Schreiber Simon, der dauernd im Bad verschwinden muss. Selbst wenn er nicht an der Reihe ist und nur die Situation mit scharfem Seitenblick verfolgt, sorgt dieser dynamische, zierliche Akteur - angespannt bis in die wippenden Fußspitzen - für ein wenig mehr Biss und erfrischenden Witz.

Das Bühnenbild von Charles Copenhaver (Kostümen Heike M. Schmidt) liefert die perfekte Illusion des PR-Hauptquartiers im noblen Hotelzimmer. Videoeffekte vertiefen den Raum.

Insgesamt eine Inszenierung, die die allgegenwärtigen Wahrheiten seriös herausarbeitet, aber mehr Eleganz und Leichtigkeit im Schlagabtausch gebrauchen könnte. Herzlicher Beifall für alle.