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Mönchengladbach: Betagte Millionärin erdrosselt und im See versenkt

Mönchengladbach : Betagte Millionärin erdrosselt und im See versenkt

Ein brutaler Mord beschäftigt ab Montag (13. Oktober, 9.15 Uhr) das Landgericht Mönchengladbach. Drei Männer im Alter zwischen 21 und 54 Jahren sollen eine 89-jährige Millionärin getötet und ihre Leiche in einem Badesee nahe der niederländischen Grenze versenkt haben.

Laut Anklage wollte das Trio das Vermögen der alten Dame zu Geld machen, um im holländischen Venlo einen „Coffee-Shop” zu eröffnen. Jetzt droht den Männern eine lebenslange Haftstrafe.

Nach Angaben der Polizei waren die Männer schon länger auf der Suche nach Startkapital für die Eröffnung ihres Geschäfts. „Anfang Oktober letzten Jahres sind sie schließlich auf das spätere Opfer gekommen”, berichtete Chefermittler Friedhelm Schultz.

Der älteste der drei Angeklagten habe die reiche Frau persönlich gekannt. „Karl M. hatte in der Vergangenheit schon mal Reparaturarbeiten für sie ausgeführt, er hatte eine Werkstatt und war offiziell von Beruf Fahrradhändler.”

Allerdings soll der 54-Jährige sein Geld vor allem mit „krummen Geschäften” verdient haben. M. ist wegen Drogenhandels vielfach vorbestraft: „In Gesprächen mit den beiden anderen Angeklagten ist er dann anscheinend darauf gekommen, die alte Dame wegen ihres Vermögens umzubringen.”

Die Tötung der Millionärin sollten laut Ermittlungen die beiden 20 und 21 Jahre alten Tobias K. und Sascha L. übernehmen. Die ebenfalls wegen Drogen- und Gewaltdelikten vorbestraften jungen Männer verschafften sich daraufhin Anfang Oktober 2007 Zugang zum Haus der 89-Jährigen, unter dem Vorwand, dort eine leerstehende Wohnung zu besichtigen.

Im Gebäude sollen die beiden jungen Männer die Frau die Treppe hinunter gestoßen und sie anschließen mit einem Fahrradbremszug erwürgt haben. Alles Weitere soll Karl M. organisiert haben: Im Haus wurden laut Staatsanwaltschaft die Tatspuren beseitigt, die Leiche der Rentnerin wurde in eine Regentonne verfrachtet und auf das Firmengelände des Fahrradhändlers gebracht. Sparbücher, Schmuck, Geld und andere Wertgegenstände sollen die drei Männer mitgenommen haben.

Nachdem weiter entfernt lebende Verwandte der Frau einige Wochen nach der Tat eine Vermisstenanzeige aufgegeben hatten, stießen die Beamten recht schnell auf den 54-jährigen Fahrradhändler. Denn dieser hatte sich beim Besuch der Polizei in der Wohnung der Frau aufgehalten und sich als ihr „Hausverwalter” vorgestellt.

Bei einer kurz darauf durchgeführten Durchsuchung der Wohnung schlugen Leichenspürhunde an, außerdem fanden die Beamten den Personalausweis der Vermissten. Daraufhin legte Karl M. ein Geständnis ab.

Er räumte ein, die Leiche der Millionärin fast anderthalb Monate lang auf seinem Firmengelände in einer Tonne gelagert zu haben. Kurz nach Beginn der Ermittlungen habe er die Leiche dann loswerden wollen. Zusammen mit den beiden Mitangeklagten habe er die Tonne im Breyeller See bei Nettetal versenkt. Als die Tonne zunächst nicht untergegangen sei, habe man eigens noch Löcher gebohrt.

Mit Hilfe von Tauchern wurde die Tonne anschließend aus dem See geborgen. Der blaue Behälter schwamm nach wie vor an der Oberfläche. Bei dem Opfer wurden massive Verletzungen am Hals festgestellt.

Nach Angaben von Landgerichtssprecher Joachim Banke haben die beiden 20 und 21jährigen Angeklagten die Tat „weitestgehend” gestanden. Karl M. dagegen will sich anfangs nur an „Gedankenspielen” beteiligt haben. „Von der Tatausführung selbst will er überrascht worden sein”, so Banke.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach lautet auf heimtückischen Mord aus Habgier und auf schweren Raub. Bei einer Verurteilung drohen Karl M. und Sascha L. lebenslange Freiheitsstrafen, Tobias K. könnte als Heranwachsender noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. In diesem Fall wären bis zu zehn Jahre Haft möglich.

Das Mönchengladbacher Landgericht hat für den Prozess bisher zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am 19. November verkündet werden.