Aachen: Bestens vorbereitet dank Thai-Küche und Tai Chi

Aachen: Bestens vorbereitet dank Thai-Küche und Tai Chi

Die Probebühne dampft wie eine Wok-Küche. Drei Männer und zwei Frauen in grauen T-Shirts und schwarzen Hosen schwitzen vor einem Berg aus Reissäcken.

Sie binden sich Schürzen um, werfen Worte hin und her, schwingen den Kochlöffel, werfen Worte hin und her, eine schreit panisch vor Zahnschmerzen, sie binden sich Halstücher um, werfen Worte hin und her - und weil Regisseurin Ewa Teilmans noch nicht zufrieden ist, hüpfen sie gleich noch einmal hinein, in die erste Szene. „Der goldene Drache” lässt Schauspieler kochen und schwitzen - auch ohne Wok auf der Bühne. Wie ein Asia-Schnellrestaurant heißt das schnelle Stück, und dort spielt es auch. Unter anderem. Denn so übersichtlich ist das Ganze nicht.

Pink, gelb, orange, grün, blau - so viele Neonmarkierungen, scheinbar wild durcheinander geworfen, leuchten wohl selten auf einer Seite im Textbuch von Ewa Teilmans. 48 kurze Szenen, 17 Figuren, gespielt von nur fünf Darstellern. Und das ist nicht etwa eine Sparmaßnahme des Aachener Theaters, sondern das vorgegebene Prinzip des Autors Roland Schimmelpfennig. Alte spielen Junge, Junge Alte, Männer Frauen, Frauen Männer, Menschen Tiere.

„Wir müssen uns immer wieder in gefühlten drei Sekunden umziehen”, sagt Schauspieler Felix Strüven. Schürze an, Schürze aus, Brille auf, Brille ab, Strickjacke an, Strickjacke aus. Und dazu noch switchen zwischen Spielen und Erzählen. „Das ist Gehirnjogging, körperliche Herausforderung - und ein großer Spaß”, findet sein Kollege Björn Jacobsen.

Ein großer Spaß wohl auch für die vielen Zuschauer, die das Erfolgsstück mittlerweile gesehen haben. Seit der Uraufführung durch das Wiener Burgtheater im Jahr 2009 wurde es mit Preisen dekoriert und immer wieder gezeigt - zurzeit zum Beispiel auch in Mönchengladbach. Am Theater Aachen wird mit „Der goldene Drache” tatsächlich der erste Schimmelpfennig gespielt, obwohl der angesagte Dramatiker mittlerweile rund 30 Stücke geschrieben hat.

Meist sind es wohlkonstruierte Kunstwerke, die gerne ins Surreale schwappen. So bildet der Asia-Imbiss „Der goldene Drache” mit den fünf Asiaten das Zentrum vieler miteinander verknüpfter Globalisierungsgeschichten. Ein Mikrokosmos in einem Mietshaus - mit illegalen Einwanderern, Einsamen und Insekten, Zahn-, Herz- und Seelenschmerzen.

Bühne wie ein weißes Tablett

Durch schnelle Schnitte, rasante Rollenwechsel und viele Verfremdungseffekte zeigt das Stück immer wieder: Hallo, das hier ist Theater! Für Ewa Teilmans ist es aber vor allem eine Tragikomödie mit Schicksalen, die berühren: Ob eine Asiatin als Sexsklavin missbraucht wird oder ein Alter sich wünscht, wieder jung zu sein.

Teilmans serviert das Schauspiel auf einer weißen Fläche, anfangs ganz leer. „Wie ein Tablett”, sagt Teilmans. Dann die Reissäcke, hier ein Kochlöffel, da ein Rollköfferchen, nur ein paar Requisiten. Die Regisseurin wollte „auf keinen Fall” Naturalismus. „Das verträgt das Stück überhaupt nicht”, meint sie.

Also sparsame, einfache Zeichen. Wenn Björn Jacobsen und Rainer Krause sich etwa in Stewardessen verwandeln, reichen gelbe Halstücher, ein Knicks, ein Blick. „Man muss gar keinen Schnickschnack machen”, sagt Ewa Teilmans. „Alles entsteht aus den Schauspielern.”

Während der Proben haben sie sich mit Thai-Küche und Tai Chi bestens vorbereitet. Im Schnell-Imbiss konnten sie die schwierigen Namen der vielen Gerichte lernen, die das Stück musikalisch durchziehen. Auch die weichen, langsamen Bewegungen der Kampfkunst werden in die Inszenierung einfließen. Zudem soll Tai Chi ja die Kraft des Geistes schulen. Training für das Gehirnjogging also.

Kostprobe am Dienstag, Premiere am Samstag

„Der goldene Drache” hat am Samstag, 19.30 Uhr, im Aachener Theater Premiere. Weitere Termine bis zum 12. Juli.

Es spielen Elisabeth Ebeling, Rainer Krause und Felix Strüven aus dem Ensemble sowie Nele Swanton und Björn Jacobsen als Gäste.

Einen ersten Eindruck gibt es am Dienstag um 19 Uhr in der Kostprobe im Theater Aachen. Der Eintritt ist frei.