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Aachen: Belgische Geheimnisse gelüftet

Aachen : Belgische Geheimnisse gelüftet

Billiger Kaffee, Eichenmöbel, Reisfladen - und sonst? Unter dem Motto „Tach Nachbar. Die Deutschsprachige Gemeinschaft - der (un)bekannte Nachbar” stellte die Regio Aachen e.V. jetzt belgische Eigenheiten in der Reihe „Euregio hautnah” vor.

Karl-Heinz Lambertz, Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, lüftete in seinem launigen Vortrag eine ganze Reihe vermeintlicher Geheimnisse über sein Bundesland auf 854 Quadratkilometern, das 72.324 Menschen in neun Gemeinden beheimatet.

„Die Belgier sind Weltmeister im Finden von Kompromissen, die etwas kompliziert sind, aber am Ende dennoch funktionieren”, erklärte Lambertz den rund 150 Zuhörern im voll besetzten Gartensaal des Hauses Matthéy. „Man hat, um das Verhältnis zwischen Flamen und Wallonen auf die Reihe zu bekommen, Belgien in einen Bundesstaat umgewandelt und dabei sozusagen der deutschsprachigen Minderheit als Trittbrettfahrer das ungeheuer hochrangige Statut eines eigenen Bundeslandes verliehen.”

Eigene Bildungs-, Kultur- und Medienpolitik

Seit 20 Jahren besitzt man Gesetzgebungshoheit, realisiert eine eigene Bildungs-, Kultur- und Medienpolitik. Dadurch bewältigt der kleinste Gliedstaat der Europäischen Union ein ungeheures Aufgabenpaket - das oft nur durch clevere Vernetzung mit größeren Nachbarn zu bewältigen ist. „In vielen Fällen besteht die Möglichkeit, an die Stelle der eigenen Institution ein vernünftiges Kooperationsabkommen zu setzen.” Deswegen sei es in der Euregio umso wichtiger, nicht nur Fremdsprachenkompetenz, sondern „interkulturelle Kommunikationskompetenz” zu erwerben: „Das ist weit mehr als Fremdsprachenunterricht oder eine Fettnäpchenlehre für Fortgeschrittene - man muss das Selbstverständnis des Nachbarn erforschen.”

Wie eng das wirtschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland und Belgien bereits ist, beleuchtete Marc Herbrand, Hauptgeschäftsführer der DEBELUX-Handelskammer: „Im ersten Halbjahr 2004 stiegen die Exporte nach Belgien um 30 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro. Damit nimmt Belgien den sechsten Platz auf der Liste der wichtigsten Kunden Deutschlands ein.”

Wichtige Geschäftsessen

Michael Schwall von der WFG Ostbelgien beklagte den Mangel an mehrsprachig qualifiziertem Personal - und ein Informationsdefizit bei Unterschieden in der Geschäftskultur. „Geschäftsessen sind in der Wallonie äußerst wichtig”, betonte er. So kommt man in Sachen Nachbarschaft - privat und geschäftlich - erst richtig auf den Geschmack...