Aachen: Beim „Dankeschönkonzert“ im Theater Aachen zeigen die Stipendiaten Vielseitigkeit

Aachen : Beim „Dankeschönkonzert“ im Theater Aachen zeigen die Stipendiaten Vielseitigkeit

Zu den sympathischen Sahnehäubchen am Ende der Theatersaison gehören die „Dankeschönkonzerte“ der Stipendiaten, die ein Jahr lang mit Unterstützung der Thaterinitiative Aachen e.V. ergänzend zu ihrem Studium hautnah die Luft des Opernalltags schnuppern dürfen. In der auslaufenden Spielzeit waren das die französische Sopranistin Anne-Aurore Cochet und der aus Estland stammende Bassbariton Rein Saar.

Beide bedankten sich beim Publikum im nahezu voll besetzten Spiegelfoyer des Theaters mit einem bunten Strauss von Arien und Liedern aus unterschiedlichen Zeiten und Genres. Damit unterstrichen die beiden jungen Talente nicht nur ihre Vielseitigkeit, sondern ließen auch noch offen, in welche stimmliche Richtung sie ihr Weg führen wird, wenn sie nach Abschluss ihrer Studien zum Sprung in eine Bühnenkarriere ansetzen.

Dass beide Stipendiaten die stimmlichen Voraussetzungen für eine hoffnungsvolle Karriere mitbringen, ist sicher. Und auch in Sachen darstellerischer Flexibilität und Bühnenpräsenz können sich die Nachwuchskräfte sehen lassen.

Rein Saar, der seit vier Jahren in Deutschland lebt und studiert, wird sich demnächst in seiner estnischen Heimat weiterbilden. Dabei ist er sich noch nicht sicher, ob er eher eine Laufbahn als Bariton oder als Bassbariton anstreben soll. Die Arie des Gremin aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ ließ eine fundierte Basslage erkennen, und auch mit den höher gestimmten Mozart-Partien des Papageno, des Grafen aus dem „Figaro“ sowie mit der Register-Arie des Leporello aus dem „Don Giovanni“ machte er eine gute Figur. Allerdings gelingt der Registerwechsel in der Gremin-Arie von den bisweilen sehr tiefen in die höheren Lagen noch nicht ganz nahtlos. Da sollte sich der hoch motivierte Sänger guten Rat holen und vor allem Zeit lassen, um seine Stimme schonend in die geeignete Richtung lenken zu können.

Seinem sehr vitalen Spiel merkte man an, dass er zeitweise neben seiner Gesangsausbildung auch eine Schauspielschule besucht hat. Damit kann seine französische Kollegin Anne-Aurore Cochet zwar nicht aufwarten. Aber als Papagena und als Eurydike in Offenbachs „Orphée aux Enfers“ (Orpheus in der Unterwelt) kann sie darstellerisch mühelos mit ihrem spielfreudigen Kollegen mithalten. Stimmlich spannte sie von Händel über Wagner und Rossini bis zu Debussy einen besonders weiten Bogen.

Nahezu vollkommen gelang ihr Claude Debussys Lied „C’est l’extase langoureuse“ aus den „Ariettes Oubliées“ auf Texte von Paul Verlaine, auch wenn sie selbst betont, dass ihr die lyrischen Partien noch Probleme bereiteten. Davon war an diesem Abend freilich nichts zu spüren.

Auch bei ihrem Ausflug ins Wagner-Fach mit der Traumerzählung der Elsa aus dem „Lohengrin“ konnte sie vor allem in den lyrischen Teilen überzeugen. In höheren dynamischen Gefilden geraten die Spitzentöne doch noch ein wenig hart, was auch ihrem koloraturgewandten Beitrag aus Rossinis Oper „Le Comte Ory“ nicht in jedem Ton gut bekam. Ähnlich rund wie das Debussy-Lied gelang ihr dagegen die Klage der Cleopatra aus Händels „Giulio Cesare“. Auch sie, die bereits einige Projekte in Frankreich vorbereitet, sollte sich Zeit nehmen, um ihre Stimme gesund und rollengerecht entwickeln zu können.

Am Flügel unterstützte Kapellmeister Karl Shymanovitz einfühlsam und versiert den bunt schillernden Melodien-Reigen.

Bereits jetzt stehen die beiden Kandidaten der kommenden Saison fest. Der Prüfungsausschuss entschied sich für die japanische Mezzosopranistin Rina Hirayama und ihren Landsmann, den Tenor Takahiro Kamike.