Aachen: Beim Aachener Sinfoniekonzert bleiben doch ein paar Wünsche offen

Aachen : Beim Aachener Sinfoniekonzert bleiben doch ein paar Wünsche offen

Es zeugt von einer gehörigen Portion an Selbstvertrauen, wenn man sich als Gastdirigent an Robert Schumanns 2. Sinfonie wagt, ohne das Orchester und den Raum näher zu kennen.

Nun verfügt Simon Gaudenz über internationale Erfahrungen, so dass man sich im 7. Sinfoniekonzert im etwas schwächer als sonst besetzten Eurogress an seiner Interpretation des schwierigen und viel zu selten zu hörenden Werks durchaus erfreuen konnte. Auch wenn vieles eher angedeutet als ausgefeilt wirkte.

Das begann mit der Einleitung, in der die Streicher so zart geführt wurden, dass sie gegen die Bläsereinwürfe keine Chance hatten. Die rhythmischen Punktierungen des Trompeten-Mottos wie auch das Hauptthema des ersten Satzes phrasierte Gaudenz recht lasch, so dass es dem Kopfsatz an der nötigen Straffheit fehlte.

Das hoch virtuose Scherzo hätte noch eine Prise an zusätzlicher Probenarbeit vertragen können. So ließ die Präzision im Zusammenspiel einiges an Wünschen offen. Und dem „Adagio espressivo“, dem wohl schönsten langsamen Satz unter den Schumann-Sinfonien, fehlte es gerade an der geforderten Ausdrucksintensität, so dass die ganze Interpretation recht gediegen und nüchtern wirkte und wenig von der aufgewühlten Emotionalität des Werks spüren ließ.

Freunde bescheinigten Francis Poulenc, in seiner Brust schlügen „die Seelen eines Mönchs und eines Lausbuben“. Während im Aachener Theater mit einer beeindruckenden Produktion der Oper „Dialogues des Carmélites“ der „Mönch“ Hof hält, zeigt sich Poulenc in seiner Tanzsuite „Les Biches“ von der frechen Seite. Ein viriles, brillant funkelndes Werk voller Esprit, das Gaudenz und das Aachener Sinfonieorchester ähnlich solide ausführten wie die Schumann-Sinfonie. Den letzten Schliff blieb man auch diesem charmanten Stück schuldig.

Guillaume Connessons vor zehn Jahren uraufgeführtes Konzert für Violoncello und Orchester führt die von Lalo bis Dutilleux reichende Reihe effektvoller französischer Cello-Konzerte würdig fort. Eleganz und Brillanz dominieren, der Unterhaltungswert überflügelt den mangelnden Tiefgang. Der französische Cellist Jérôme Pernoo, dem der Komponist das Werk in die Finger geschrieben hat, serviert das extrem virtuose, klanglich raffinierte und äußerst effektvolle Werk dank seiner spieltechnischen Perfektion genussvoll und elegant wie ein Show-Event.

Das berührt im überdreht orgiastischen Finalsatz die Grenze des gleichzeitig Spielbaren und noch Wahrnehmbaren und gefällt insgesamt durch seine bizarre klangliche Disposition, die sogar eine hell funkelnde Glasharmonika vorsieht. Das richtige Futter für einen experimentierfreudigen Könner wie Pernoo.

Das Publikum zeigte sich von der Bühnenshow auf vier Saiten begeistert, und der Cellist ließ es sich nicht nehmen, das furiose Finale mit gesteigerter Spielfreude als Zugabe noch einmal zum Besten zu geben. Insgesamt ein Konzertabend mit hohem Unterhaltungswert, dem es freilich in der Darstellung und Ausführung an Feinschliff fehlte.

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