Aachen: Beethoven bis an die Grenze des Spielbaren getrieben

Aachen : Beethoven bis an die Grenze des Spielbaren getrieben

Das Fine Arts Quartet gehört zu den traditionereichsten wie berühmtesten Quartettformationen der Gegenwart. Den vier amerikanischen Musikern im Rahmen der Quintseence-Konzerte in Aachen zu begegnen, wurde denn auch zu einem Erlebnis besonderer Art.

Nicht oft präsentiert sich im Krönungssaaal ein Kammermusikensemble dieses Ranges. Zwar musste das vorgesehene Programm geändert werden, weil der für das Klarinettenquintett von Brahms vorgesehene Klarinettist verunglückt war, aber der Ersatz des Brahms-Werkes durch Beethovens op. 18 Nr. 1 und Schostakowitschs 7. Streichquartett war mehr als „Ersatz”.

Impulsive Frische

Man hörte einen schlanken, dennoch energisch durchgezeichneten Beethoven, dessen Finale bis an die Grenzen des Spielbaren getrieben schienen, der aber dennoch jederzeit klar durchhörbar blieb und außerdem von jener impulsiven Frische, die für Beethovens Frühwerk kennzeichnend ist, durchweht wurde. Über alles Spieltechnische zu reden, erübrigt sich.

Das 1960 komponierte Schostakowitsch-Quartett, das der Komponist dem Andenken seiner ersten, an Krebs gestorbenen Frau widmete, das konzentrierteste der langen Quartettreihe des Komponisten, wurde in seiner krassen Gegensätzlichkeit der verschiedenen Ausdrucksebenen so virtuos wie emotional gespannt ausgespielt, wobei sich der Bogen von den verspielten ersten Abschnitten bis zur wilden Fuge des Schlusses wölbte. Eine Meisterleistung sensiblen, hochdifferenzierten, den Gehalt des packenden Werkes mit sezierender Schärfe auslotenden Quartettspiels

Schließlich deutsche Romantik in Gestalt des zweiten Streichquintetts B-Dur op. 87 von Mendelssohn-Bartholdy. Hier trat Danilo Rossi, der Solobratscher des Orchesters der Mailänder Scala zum Fine Arts Quartet. Eine Darstellung, die an musikantischem Überschwang in den Ecksätzen, an espressiver Wärme im schwelgerischen Adagio wohl kaum zu überbieten war.

Dass der Beifall eine Zugabe nötigte, war nicht verwunderlich. Wenn das hochvirtuose, spritzige Fugen-Scherzo aus Mendelssohns Streichquintett Nr. 1 erst im zweiten Anlauf funktionierte, so tat das der Heiterkeit der Ausführenden wie der Hörer keinen Abbruch.