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Aachen: Beatbox-Europameister auf der Bühne des Theaters Aachen

Aachen : Beatbox-Europameister auf der Bühne des Theaters Aachen

Ein Beatbox-Europameister auf der Bühne des Theaters Aachen: Das sieht man auch nicht alle Tage. Gelegenheit dazu besteht am Samstagabend, wenn Indra Tedjasukmana gemeinsam mit dem Aachener Sinfonieorchester die zweite Auflage der Konzertreihe „Music is it“ bestreitet.

Erklärtes Ziel: junge Zuhörer für klassische Konzerte zu begeistern. Der 33-jährige Tedjasukmana wurde in Stuttgart geboren und ist — neben seinen Erfolgen in Sachen Beatboxing — studierter Jazzmusiker und Dozent an den Musikhochschulen Münster und Osnabrück. Mit ihm sprach Nele Dohmen.

Herr Tedjasukmana, Beethoven und Beatboxing — wie passt das zusammen?

Indra Tedjasukmana: Mit der Verknüpfung von Beatboxing und klassischer Musik oder Jazz beschäftige ich mich schon länger. Weil es einfach unheimlich spannend ist. Als das Theater Aachen mich dann ansprach, musste ich gar nicht lange überlegen. Wir haben unter anderem Beethovens 5. Sinfonie für das Konzert ausgewählt. Das Gute daran im Hinblick auf unser Projekt ist, dass sie unheimlich populär ist. Jeder kennt doch dieses „Da-da-da-daaaa“-Thema.

Wie haben Sie sich auf dieses Projekt vorbereitet?

Tedjasukmana: Ich habe eine Aufnahme der Sinfonie angehört, dabei die Partitur gelesen und mir dann überlegt, an welcher Stelle welcher Beat passen könnte und wo es eher stören würde. Die erste gemeinsame Probe mit dem Orchester findet tatsächlich erst am Tag vor der Aufführung statt. Und dann sehen wir mal!

Und wie wirken klassische Werke und das Beatboxing in Verbindung miteinander?

Tedjasukmana: Das ist schon ein besonderes klangliches Erlebnis. Die eigene, durchaus vorhandene Rhythmik einer Sinfonie wird durch das Beatboxing enorm verstärkt. Egal, wie gut man in diesem Fall die 5. Sinfonie von Beethoven kennt: Durch unsere Interpretation lassen sich bestimmt noch neue Aspekte entdecken. Und wer kein geübter Konzertgänger ist, findet über das Beatboxing vielleicht den Zugang zur klassischen Musik.

Da denken Sie wahrscheinlich an ein jüngeres Publikum.

Tedjasukmana: Natürlich. Für die meisten Menschen unter 40 gehören Besuche von klassischen Konzerten nicht unbedingt zur regelmäßigen Freizeitgestaltung. Ich bin trotzdem weit davon entfernt, dem klassischen Konzert das bevorstehende Ende zu prophezeien. Es gibt so viele talentierte junge Musiker und viele Menschen, die sie erreichen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich über das Internet alles, was es an Musik so gibt, zu jeder Zeit entdecken lässt. Ich bin da optimistisch. Und vielleicht kann ein Konzert wie unseres da ja noch ein bisschen helfen und neue Konzertbesucher generieren.

Wie haben Sie selbst entdeckt, dass Sie ein besonderes Talent für Beatboxing haben?

Tedjasukmana: Mit 15 war ich fasziniert von den Beatboxern, die mir das im Fernsehen vorgemacht haben. Was die alles mit Stimme, Mund und Mikrofon machen konnten! Also habe ich angefangen, das nachzumachen. Immer und überall, in jeder Fünfminutenpause in der Schule oder zu Hause. Und wie mit allem, was man häufig macht, bin ich darin immer besser geworden. Mit 17, 18 Jahren bin ich dann Dritter bei der deutschen Meisterschaft geworden. Kurz danach, 2002, kam der Europameistertitel. Damals war ich wirklich sehr auf Hip-Hop fixiert.

Wie haben Sie den Zugang zur Klassik gefunden?

Tedjasukmana: Als Jugendlicher habe ich angefangen, Klavierunterricht zu nehmen. Trotzdem war da aber erst mal meine Hip-Hop-Phase, über die ich das Beatboxen entdeckt habe. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, mit Anfang 20 wieder zur Klassik und auch zum Jazz zu finden. Als der in mein Leben kam, war das für mich eine totale Erweiterung meines Blickfelds — worüber ich sehr froh bin. Ich habe dann in Stuttgart, Weimar und Helsinki Jazzgesang und Komposition studiert.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie sich dem Musikstudium zuwendeten?

Tedjasukmana: Das war schon sehr interessant. Einige Hip-Hop-Freunde sagten: „Der Indra verlässt uns.“ An der Uni hieß es dafür: „Guck mal, da kommt ein Hip-Hopper“. Ich bin aber sehr froh über diese beiden Seiten in mir. Und ich bin wohl der lebende Beweis dafür, dass sie sich vereinen lassen.