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Düsseldorf: BBDO: 50 Jahre Ideen für Köpfe und Herzen

Düsseldorf : BBDO: 50 Jahre Ideen für Köpfe und Herzen

„Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause” - „Ist das neu? Nein, mit Perwoll gewaschen.” - Die Slogans aus Deutschlands größter Werbeschmiede haben sich ins Gedächtnis von Millionen Menschen eingebrannt. Mit immer größeren Etats ringen die Düsseldorfer Werber um die Aufmerksamkeit in einer Flut von Werbe-Botschaften.

Alles begann vor 50 Jahren mit einer Drei-Mann-Agentur in Mülheim an der Ruhr. Heute beschäftigt die Agentur-Gruppe BBDO in Deutschland 3800 Mitarbeiter an 11 Standorten.

Auf einem Mofa waren die jungen Werber 1956 von Mülheim nach Düsseldorf gefahren, um sich beim Waschmittelkonzern Henkel ihren ersten Auftrag abzuholen: Auf einem 150 Meter langen Bauzaun stellten die kreativen Agenturgründer in bunten Bildern die Geschichte des Konzerns dar - damals eine völlig ungewöhnliche Idee, die in der jungen deutschen Werbebranche für Aufsehen sorgte. Noch im gleichen Jahr ließen sie den ersten Fernseh-Werbespot in Deutschland in die Wohnzimmer flimmern - für Henkels Persil.

Heute residiert die BBDO an der Düsseldorfer Königsallee, und Henkel zählt immer noch zu ihren Kunden. „Es ist schwieriger geworden, sich in die Köpfe und Herzen der Menschen einzukaufen. Man muss einfallsreicher sein”, sagt Dickjan Poppema, Geschäftsführer der BBDO Düsseldorf. Die Werber müssten heute ihre Botschaften für immer mehr Zielgruppen unterschiedlich verpacken. „Für Dr. Oetker haben wir zum Beispiel für ein Produkt einen TV-Spot für Mütter und einen für Kinder kreiert und mit unterschiedlichen Internet-Auftritten verknüpft.”

Auch die Zahl der Werbekanäle ist größer geworden: „Die Zielgruppe ist beweglich und sitzt nicht mehr nur vor dem Fernseher”, erklärt Poppema. So seien beispielsweise das Internet und besonders auch das Handy zu wichtigen Werbe-Plattformen geworden.

Den Aufstieg zum deutschen Marktführer erklärt Poppema mit der Personalpolitik des Unternehmens: „Wir haben es geschafft, über viele Jahre exzellente Mitarbeiter zu uns zu holen.” Die lange Kundenbindung sei in der schnelllebigen Branche ungewöhnlich. Viele Unternehmen vertrauten BBDO seit mehreren Manager-Generationen.

In den Kreativ-Rankings ist dem Branchenriesen allerdings seit Jahren der Spitzenplatz verwehrt. BBDO-Geschäftsführer Poppema plagen zudem Nachwuchssorgen: „Gerade im Bereich der Kundenberatung ist es schwierig, junge Talente anzuziehen”, erklärt der Manager. Viele gute Nachwuchskräfte gingen zu Investmentbanken, ins Marketing der Kundenunternehmen oder zu Beraterfirmen wie McKinsey oder Roland Berger. „Die Werbebranche hat in dieser Hinsicht an Strahlkraft verloren.”

Von einer Krise der Branche und der Marken zu Gunsten der namenlosen Produkte der großen Discounter will der 43-Jährige nichts wissen. „Die Werbebranche wird sich überproportional zur deutschen Wirtschaft entwickeln.” Klassische Werbung macht ohnehin nur noch rund ein Viertel der BBDO aus. Die Agentur-Gruppe bietet inzwischen auch PR-, Sponsoring-, Event- und Call-Center-Dienste an.