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Bayreuth: Bayreuther Festspiele: Hochkarätiger Ersatz für Alagna als „Lohengrin“

Bayreuth : Bayreuther Festspiele: Hochkarätiger Ersatz für Alagna als „Lohengrin“

Seitdem sich Eva Wagner-Pasquier aus dem Leitungsteam der Bayreuther Festspiele zurückgezogen und ihrer Halbschwester Katharina Wagner das Szepter überlassen hat, geht es auf dem Grünen Hügel erstaunlich friedlich zu. Eine Woche vor der Eröffnung der 107. Bayreuther Festspiele ist von den Familienfehden, die jahrelang für bisweilen unappetitliche Schlagzeilen sorgten, nichts zu hören.

Auch Nike Wagner, die selbstbewusste Sprecherin des Wieland-Wagner-Zweigs, scheint ihren Frieden mit Katharina Wagner gefunden zu haben.

So richtet sich diesmal der Blick recht ungestört auf die mit Spannung erwartete Eröffnungspremiere des neuen „Lohengrin“. Dass die unerwartete, extrem kurzfristig angekündigte und erschreckend unprofessionell begründete Absage von Roberto Alagna, dem vorgesehenen Sänger der Titelpartie, der es nicht schaffte, den Text zu lernen, den Betrieb für kurze Zeit in Aufregung versetzte, wirkt angesichts früherer Schlachten wie eine laue Sommerbrise. Zumal mit dem polnischen Tenor Piotr Beczala ein Plan B realisiert wird, mit dem sich das Problem schnell lösen ließ. Immerhin hat Musikdirektor Christian Thielemann den „Lohengrin“ mit Beczala bereits vor zwei Jahren in Dresden erfolgreich über die Schelde schippern lassen.

Ein Jude auf dem Grünen Hügel

Warum man überhaupt Alagna, der nach eigenen Angaben mit der deutschen Sprache und erst recht mit der deutschen Oper bisher kaum in Berührung gekommen ist und schon für manche böse Überraschung gesorgt hat, mit dieser Aufgabe betrauen wollte, bleibt ohnehin ein Geheimnis des Besetzungsbüros.

Dass letztlich auch der Regisseur Yuval Sharon sein Engagement einer Absage verdankt, scheint bereits vergessen. Vor zwei Jahren erklärte der lettische Regisseur Alvis Hermann aufgrund unbequemer Kritiken und der Flüchtlingspolitik Angela Merkels, nicht mehr in Deutschland arbeiten zu wollen. Der 39-jährige Amerikaner Yuval Sharon sprang für ihn ein. Ein Jude auf dem Grünen Hügel: Ein Fakt, der damals heftiger kommentiert wurde als heute, nachdem dieses „Phänomen“ mit Barrie Kosky, dem Regisseur der „Meistersinger“, im letzten Jahr üppig besprochen wurde. Der offensichtlich immer noch hohe Sensationswert der im Grunde banalen Tatsache, dass ein Jude Wagner in Bayreuth inszeniert, zeigt, dass sich der Pech der braunen Bayreuther Vergangenheit in absehbarer Zeit nicht abschütteln lassen wird.

Allerdings fällt auf, dass die lange Zeit verdrängte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit mittlerweile stärker auf der Bühne als in den Köpfen ausgetragen wird. Stefan Herheims „Parsifal“ deutete diesen Trend an und Barrie Kosky verbiegt die „Meistersinger“ in seiner im letzten Jahr aus der Taufe gehobenen Neuinszenierung zu einem Diskurs über die verhängnisvollen Schattenseiten der Bayreuther Familien-Saga, der mit dem Stück nicht mehr viel zu tun hat.

Derartiges ist nach ersten Äußerungen von Yuval Sharon von dessen „Lohengrin“ nicht zu erwarten. Ohnehin richtet sich das Interesse mindestens ebenso stark auf das prominente Künstler-Ehepaar Neo Rauch und Rosa Loy, die mit ihren Bühnenbildern und ihrer ersten Opern-Arbeit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürften. So märchenhaft die Handlung um den strahlenden Gralsritter aus dem fernen Land auch anmuten mag, der nicht nur die bedrängte Elsa rettet, sondern auch König Heinrich aus seiner misslichen Lage befreien soll, am Ende aber scheitert: Das Werk hat viel mit dem Umgang mit Fremdem und viel mit logisch nicht Erklärbarem zu tun, auch mit dem Vertrauen der Menschen in vermeintliche Heilsbringer. An Aktualität mangelt es also auch dem „Lohengrin“ nicht.

Die Besetzung ist mit Piotr Beczala in der Titelrolle, Anja Harteros als Elsa und der nach 18 Jahren wieder nach Bayreuth zurückkehrenden Waltraud Meier als Ortrud sowie Christian Thielemann am Pult äußerst prominent besetzt.

Drei Mal „Walküre“

Im ersten Nibelungen-losen Jahr nach Frank Castorfs umstrittener „Ring“-Inszenierung kann man sich immerhin noch an drei separaten Aufführungen der „Walküre“ erfreuen, die als Besonderheit Plácido Domingo dirigieren wird. Ansonsten stehen die Reprisen von Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung des „Parsifal“ mit Semyon Bychkov als Dirigent auf dem Programm, die „Meistersinger“ mit Maestro Philippe Jordan, Katharina Wagners „Tristan“-Produktion mit Christian Thielemann sowie Jan Philipp Glogers alter „Holländer“ mit Rheinopern-Chef Axel Kober.

Als interessante Ergänzung ist die Uraufführung einer Oper des Österreichers Klaus Lang zu erwähnen, die am 24. Juli, also einen Tag vor der offiziellen Eröffnung, in der Bayreuther Kulturbühne „Reichshof“ zu sehen ist. Der Titel „Der verschwundene Hochzeiter“ erinnert zwar an das Heirats-Desaster Lohengrins. Allerdings ist von Lang romantischer Bühnenzauber nicht zu erwarten.