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Würselen: „Band ohne Band” mit viel Herz

Würselen : „Band ohne Band” mit viel Herz

Für pathetische Toleranz-Appelle sind „Naturally7” wahrscheinlich nicht zu haben. Denn die Musik der sieben dunkelhäutigen Künstler aus den Vereinigten Staaten geht übers Ohr direkt in den Bauch und damit ins Herz.

Aber vielleicht sind die Mitglieder dieses Künstler-Septetts gerade deshalb gute Botschafter der afro-amerikanischen Kultur. Denn die Musik der A-Cappella-Stimm-Artisten teilt sich dem Publikum ohne weit ausholende intellektuelle Zwischenschritte ziemlich direkt mit.

Diese Erfahrung, die einer Herzlichkeit, die sich kraft der Töne mitteilt - die haben Hunderte von Männern und Frauen im Amphitheater der Freilichtbühne von Burg Wilhelmstein am Rande des Würselener Stadtteils Bardenberg gemacht.

Der Auftritt von „Naturally7” war gewissermaßen ein Herzenswunsch von Burg-Wilhelmstein-Chef Ulrich Pesch. Mit seiner jungen, hoch motivierten Crew schaffte er es immer wieder, viele dem Namen nach unbekannte und manch prominenten Könner (wie zum Beispiel in diesem Jahr Helge Schneider) zu verpflichten.

Mehr noch: Es wird eine Atmosphäre, die schon durch die mitgebrachten Picknickkörbe locker und leicht wirkt. Roger Thomas, Dwight Stewart, Rod Eldridge, Garfield Buckley, Warren Thomas, Jamal Reed und Armond Hutton - den Mitgliedern der „Band ohne Band” - hat das jedenfalls gefallen. Gut drauf, ganz so wie ihre Zuhörer, vermittelten sie ihre Kunst.

Mag sie auch noch so leger und locker aus der Hüfte geschossen daher kommen - die Kunst der sieben Musiker wirkt alles andere als leichtgewichtig. Denn sie können nicht nur gut und intonationssicher singen - in ihren Kehlen wohnt, so scheint es, ein ganzes Orchester.

Gitarre, E-Bass, Synthesizer - diese Instrumente und noch andere Klänge dazu haben die Gäste vor ihrem hingerissenen Publikum auf eine Weise imitiert, dass man nur staunen konnte.

Dabei haben die Männer von „Naturally7” in der Arena auch noch ein ziemlich breites Repertoire an den Tag gelegt: Gospel („Bless This House”) war ebenso dabei, wie für den A-Cappella-Gebrauch adaptierte Popmusik („I Built This Wall”) und diverse Facetten zeitgenössischer U-Musik wie Rap, HipHop und Scratching.

Einen besonderen Stellenwert besaß bei den stimmstarken Künstlern übrigens ein Instrument, das eigentlich keines ist: die „Loopbox”. Damit werden Gesang, imitierte Instrumente und andere Tonfolgen aufgezeichnet und anschließend nach Belieben - zum Beispiel als Endlos-Schleifen - wieder abgespielt.

In solchen Momenten erreichte die Show eine besondere Verfeinerung: Die menschliche Stimme, eigentlich das Natürlichste von der Welt, wurde durch die Verarbeitung in der Loopbox zu einem „Kunst-Stück”. Pantomimische Elemente perfektionierten einen großen Abend.