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Aachen: Bald Hausverbot für Random House?

Aachen : Bald Hausverbot für Random House?

Dieter Bohlen scheidet nicht nur die Geister in der Leserschaft. Sein neuer Titel „Hinter den Kulissen” (Verlag Random House) entzweit nun auch endgültig eine Zweckgemeinschaft, deren gemeinsame Spielregeln gut zehn Jahre über gegolten haben: zwischen dem Bertelsmann-Buchclub und dem deutschen Sortimentsbuchhandel.

Fester Bestandteil der Vereinbarung war danach die Regelung, dass eine Verwertung von Büchern zu einem niedrigeren Preis in Buchclubs frühestens sechs Monate nach der Ersterscheinung im Buchhandel erfolgen durfte - in bescheidenerer Ausstattung.

„Bertelsmann und Random House setzen sich jetzt skupellos darüber hinweg”, poltert Helmut Falter, Chef der Mayerschen Buchhandlung in Aachen und engagierter Anwalt der Buchpreisbindung.

Falter war es gemeinsam mit Heinrich Hugendubel, der die Vereinbarungen mit Bertelsmann vor mehr als zehn Jahren im so genannten „Potsdamer Abkommen” ausgehandelt hatte.

Für ihn ist nun Schluss mit lustig, nachdem Bertelsmann neben dem Bohlen-Buch gleich mehrere aktuelle Bestseller ins Buchclub-Angebot aufgenommen hat - mit einem Preisnachlass von mehr als 20 Prozent.

Falter: „Der Börsenverein beschloss erstmals in seiner Geschichte, gegen ein Branchenmitglied zu klagen.”

Der Aachener Buchhändler sieht in der Bertelsmann-Aktion einen schweren Angriff auf die Buchpreisbindung, die vor dem Hintergrund der wirtschaftlich miserablen Entwicklung in der Branche gar nicht ernst genug zu nehmen sei.

2002 sank der Umsatz erstmals um 2 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Bis Anfang September dieses Jahres steigerte sich der Rückgang weiter auf 4,9 Prozent. Bouvier-Gonski, eine der größten deutschen Buchhandlungen, beantragte im Juni nach 175-jährigem Bestehen das Insolvenzverfahren. Auch der Bertelsmann-Buchclub schreibt rote Zahlen und versucht mit neuen Strategien in schwarze zu kommen.

Doch der traditionelle Buchhandel mit Falter als Speerspitze will sich wehren. Schon einmal ging Falter aus einem solchen Streit als Sieger hervor: 2002 hatte der Heyne Verlag die Rechte an John Grishams Roman „Die Farm” an den Bertelsmann-Buchclub verkauft, der den Bestseller exklusiv auf den Markt brachte - am traditionellen Buchhandel vorbei.

Daraufhin verbannte Falter sämtliche Heyne-Produkte aus seinem Sortiment. Heyne gab schließlich kleinlaut nach und zahlte sogar eine „Buße”, wie Falter jetzt offenbart.

Die aktuelle Strategie sieht so aus: „Man könnte sich vorstellen, dass Großhändler und Buchhändler keine Random-House-Titel mehr verkaufen.”

Selbstverständlich werde es keinerlei Absprachen oder Abstimmungen geben, jeder Händler für sich könne aber überlegen, ob er Random-House-Titel weiterhin so verkaufen wolle wie bisher. „Auf der Frankfurter Buchmesse findet gerade ein entsprechender Meinungsaustausch statt.”