1. Kultur

Bahnhof wird zum "FrauenZimmer"

Bahnhof wird zum "FrauenZimmer"

Herzogenrath (an-o) - Ein Frauencafé, in einer klassizistischen Villa. Davon träumten Frauen in Herzogenrath. Eine Villa stand allerdings nicht leer, wohl aber ein Bahnhof. Und der bietet Platz für viel mehr als nur ein Frauencafé: für eine Familienfeuerwehr, eine Servicebörse, Fortbildung und Kultur.

Wenn alles nach Plan läuft, wird ein Teil des Herzogenrather Bahnhofs noch in diesem Jahr für das "FrauenZimmer" umgebaut, einem in der Region einmaligen Frauenkommunikationszentrum.Nur eine formale Hürde ist noch zu nehmen: Die Stadt Herzogenrath muss (und wird) einen Antrag auf Förderung des Projekts aus dem Landesprogramm "Initiative ergreifen" stellen.

Der Programmbeirat hat bereits grünes Licht für eine Anschubfinanzierung von 160.000 Euro für die ersten drei Jahre gegeben. Das Geld für den Bahnhofsumbau ist ebenfalls bewilligt, es stammt aus dem "100-Bahnhöfe-Programm". Und der Stadtrat hat schon vor zwei Jahren einstimmig die geforderten kommunalen Mittel für das Zentrum bereitgestellt.

Fast sechs Jahre lang haben die Herzogenrather Frauen - allen voran die Gleichstellungsbeauftragte Birgit Kuballa sowie Carmen Leicht-Scholten und Hedi Simons - an ihrem Traum vom "FrauenZimmer" gebastelt. Sie haben Ideen geboren und wieder verworfen, mit Politikern diskutiert, einen Verein gegründet, Geldquellen aufgespürt. Nach und nach entstand so das Konzept für ein Zentrum von Frauen für Frauen, in dem Beratungsstellen regelmäßig Sprechstunden halten, mit einem EDV-Schulungsraum sowie einem Raum für kulturelle Veranstaltungen - und mit einem Bistro, in dem auch Männer willkommen sind.

"Familienfeuerwehr"


Kernstücke sind die "Servicebörse" für Frauen, die sich beruflich selbstständig machen wollen, und die "Familienfeuerwehr". Letztere wird ehrenamtlich organisiert und soll immer dann zur Stelle sein, wenn Eltern in Herzogenrath eine Kinderbetreuung brauchen, etwa weil plötzlich jemand erkrankt ist.

Die "Servicebörse" aber wird hauptamtlich besetzt sein. Die Mitarbeiterin soll Freiberuflerinnen bei der Öffentlichkeitsarbeit und der Kundenakquise helfen, Fortbildungen anbieten oder ihnen bei Problemen beratend zur Seite stehen. "45 Frauen aus unterschiedlichen Berufen wollen bei der Servicebörse mitmachen", sagt Carmen Leicht-Scholten, Vorsitzende des Trägervereins. "Und es gibt schon Firmen, die unsere Dienste in Anspruch nehmen wollen. Das haben wir bei einer Befragung ermittelt." Anfangs wird sich die Servicebörse hauptsächlich auf Herzogenrath und die unmittelbaren Nachbarstädte konzentrieren. Schritt für Schritt, so wie es die Finanzen zulassen, soll das Angebot aber in die Region hinein ausgeweitet werden.

Am liebsten würden die Frauen gleich loslegen. "Wir sitzen in den Startlöchern", so Leicht-Scholten. Jetzt heisst es warten, bis auch die letzte Hürde genommen ist.