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Berlin: Bärbel Schäfer: „Schwere Romane überlasse ich anderen Autoren”

Berlin : Bärbel Schäfer: „Schwere Romane überlasse ich anderen Autoren”

Die Männerprobleme von Frauen Mitte 30 lassen Bärbel Schäfer offenbar nicht los. Zwei Jahre nach ihrem literarischen Debüt „Wer, wenn nicht er?” legt die Moderatorin mit „Schaumküsse” am Donnerstag (24. Mai) ihren zweiten Roman vor, den sie erneut mit der Journalistin Susanne Luerweg verfasst hat. Darin schildern die Freundinnen aus Studienzeiten die Sorgen der schwangeren Lilly, die von ihrem Freund verlassen wird und Trost bei ihrem kinderlieben Nachbarn sucht.

Nina Jerzy sprach mit Schäfer (43) in Berlin über Realitätsflucht und die Grenzen des männlichen Denkens.

Frau Schäfer, wie kommt die Moderatorin einer politischen Talkshow auf die Idee, leichte Frauenromane zu schreiben?

Bärbel Schäfer: Ich habe zwei Standbeine. Auf der einen Seite einen Talk zum Thema G8 und die Gegner. Und auf der anderen Seite einen humorvollen, witzigen Großstadtroman und Alltagsthemen. So wie das Leben auch ist: mal ernst, mal unterhaltsam. Da ist es ein sehr schönes Geschenk, sich mal in die Fiktion flüchten zu können.

Wie viel steckt von Ihnen in der Lilly drin?

Schäfer: Es ist kein autobiografischer Roman, das ist klar. Aber es ist natürlich so, dass aus dem gelebten Alltag mit Freundinnen von Susanne Luerweg und mir auch Einiges drin ist. Die Lust auf salzige Heringe und dieses gefühlte „Ach, ich hab schon 80 Kilo auf den Hüften”, aber man ist doch erst in der siebten Schwangerschaftswoche.

Das Thema Ihres Romans erinnert an „Bridget Jones”. Ist das eine Art von Literatur, die Sie persönlich gerne lesen?

Schäfer: Natürlich schaue ich auch, was auf dem Markt los ist. Aber ich hab jetzt gerade auf dem Nachttisch den Roman „Die Straße” von Cormac (McCarthy) liegen und das ist alles andere als ein leichter Frauenroman. Ich bin eine Vielleserin, eine Schnellleserin.

Planen Sie mit Susanne Luerweg ein drittes Buch?

Schäfer: Das muss man sehen. Ich finde, wir haben uns weiterentwickelt als Autorinnen. Bis jetzt gibt es keine gegenteilige Ansage, dass wir nicht weitermachen. Aber es kann eben auch sein, dass jeder von uns sagt: „Ich versuch´s jetzt mal allein.”

Ihre Romane haben sich bislang um Frauen Mitte 30 mit Männerproblemen gedreht. Hätten Sie auch Lust auf einen schwereren Stoff?

Schäfer: Es gibt ja eine ernste Auseinandersetzung bei meinen Sachbüchern wie dem Krebsbuch im vergangenen Jahr. Bei Rütten Löning kommt auch ein Neues im Herbst. Das reicht mir. Ich denke, die schweren Romane überlasse ich anderen Autoren. Dafür habe ich auch einfach die leichte Seite und zu viel Spaß an diesem leichten Stil und den würde ich mir bei diesem Medium gerne bewahren.

Das Buch, von dem Sie eben sprachen, dreht sich wieder um Krebspatienten?

Schäfer: Nein. Dieses Mal wird es von Frauen und ihren Gedanken zum Älterwerden handeln. Tolle Frauen, wieder mal Prominente und Nicht-Prominente, die das Leben einfach anpacken und nicht in ihr Kissen weinen und sagen „Ich bin nicht mehr 18, wie schrecklich.”

Welche Prominenten kommen zu Wort?

Schäfer: Marianne Rosenberg, Regina Halmich, Claudia Roth sind dabei, Lea Rosh, Margarete Mitscherlich - also wunderbare, starke Frauen.

Ihr Mann Michel Friedman hat ja auch Erfahrung als Autor. Haben Sie ihm zwischendurch Kapitel zum Lesen gegeben?

Schäfer: Nein, das ist eine Sache zwischen Susanne Luerweg und mir. Auch wenn die Verlockung natürlich groß ist, bei einem Schnelldenker wie meinem Mann, der sich ja auch gut einfühlen kann und ein bücheraffines Leben führt. Aber wir haben unseren beiden Partnern vor Abgabe das Endergebnis präsentiert. Und gut, wie das halt so ist bei Männern: Sie konnten sich eben bei dem Roman auch nicht in alles reindenken.