Aachen: Bachverein brilliert mit Mozarts „Requiem“ im Krönungssaal

Aachen: Bachverein brilliert mit Mozarts „Requiem“ im Krönungssaal

Einen reizvollen Brückenschlag zu seinem Vorgänger Heribert Breuer schlug Georg Hage als Leiter des Aachener Bachvereins in seinem jüngsten Konzert im voll besetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Breuer wirkte zwar nur knappe vier Jahre von 1979 bis 1983 in dieser Funktion, gab dem Bachverein aber bis heute nachwirkende Impulse.

Hage griff für die Aufführung von Mozarts „Requiem“ auf Überlegungen Breuers zurück, der Mozarts fragmentarisches Werk in einen sinnvollen Kontext einzubinden versuchte. Er beließ es zwar, wie jetzt auch Hage, bei der bekannten und vorzüglichen Fassung von Süßmayr, kombinierte das Werk aber mit Bachs thematisch ähnlich akzentuiertem „Actus Tragicus“. Und zwar in einer eigenen Bearbeitung, bei der er sich an den Händel-Transkriptionen Mozarts orientierte. Die Verwendung von zwei Klarinetten und Posaunen verleihen so dem Werk einen dunklen, dem „Requiem“ nahestehenden Glanz.

Als Einleitung für Mozarts Schwanengesang instrumentierte Breuer auch noch Bachs letzten, unvollendet gebliebenen „Contrapunctus“ aus dessen „Kunst der Fuge“, so dass eine spirituelle Verbindung zwischen den vom Tod unterbrochenen Finalwerken der beiden Giganten hergestellt wird. Eine Bearbeitung, die in ihrer pointilistischen Farbigkeit ein wenig an die Bach-Instrumentationen Anton Weberns erinnert.

Insgesamt ein Konzept, das auch heute seine Wirkung nicht verfehlt, wie die Umsetzung durch Hage und den Kammerchor des Bachvereins zeigte. Dabei ging es Hage nicht darum, die Musik mit einem schweren Trauerflor zu behängen, sondern betonte mit seinen frischen Interpretationen den hoffnungsvoll-tröstlichen Charakter der Werke.

Die Stärken des Kammerchors und des vorzüglichen Ensembles für Alte Musik „arcipelago“ verleiteten ihn bisweilen zu extrem raschen Tempi und dramatischen Impulsen, die den Trauergehalt stark, stellenweise zu stark an den Rand drängten. Die vokale Qualität minderte das nicht.

Auch wenn man sich wiederholen muss: Man kann nur immer wieder preisen, was Hage dem Chor an Stilgefühl, Klangschönheit, exzellenter Tonbildung und Intonationssicherheit abgewinnen kann.

Die erstklassigen chorischen und orchestralen Leistungen wurden ergänzt durch ein erfreulich homogenes Solistenquartett mit der mühelos artikulierenden So-pranistin Katharina Persicke, der immer wieder rundum überzeugenden Altistin Marion Eckstein, dem höhensicheren Tenor Patricio Arroyo und dem stimmgewaltigen Bassisten Manfred Bittner.

Begeisterter Beifall für ein denkwürdiges Konzert mit einem bekannten und dennoch für Überraschungen immer offenen Schlüsselwerk des Chorrepertoires.