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Aachen: Bachtage: Cembalo-Virtuose Andreas Staier

Aachen : Bachtage: Cembalo-Virtuose Andreas Staier

Es ist schon erstaunlich, dass ein international so renommierter Künstler wie der Cembalo- und Hammerklaviervirtuose Andreas Staier die Aachener Musikfreunde nicht in Massen anlockt.

Sein Cembalo-Recital im Rahmen der XXX. Aachener Bachtage in der Annakirche brachte jedenfalls nicht den Publikumsandrang, den Initiator Wolfgang Karius erwartet hatte.

Das Thema der Jubiläums-Bachtage „Bach und die französische Musik” wurde an diesem Abend in exemplarischer Weise behandelt, erklangen doch außer einer Passacaglia von Georg Muffat ausschließlich Suiten.

Die Herkunft der Gattung aus Frankreich und ihre allmähliche Übernahme und stilistische Umformung in die deutsche Musik ließ sich an Staiers Programmfolge hervorragend nachvollziehen.

Der Einstieg mit einer Suite von Louis Couperin stellte die frühe französische Form einer Cembalo-Suite vor, metrisch weitgehend frei, leicht verspielt wirkend und formal schwer durchschaubar.

Die Suiten von Johann Caspar Ferdinand Fischer und Johann Jakob Froberger zeigen eigene Wege auf, ähnlich wie die wirkungsvolle Passacaglia von Georg Muffat geprägt von italienischen, französischen und deutschen Einflüssen.

Im zweiten Teil dann Bachs große Partita D-Dur BWV 828, die alle vorher gehörten Elemente zu vereinen scheint. Andreas Staier spielt diese Musik nicht nur technisch versiert und virtuos, sondern er weiß auch die stilistischen Eigenheiten der Komponisten ins rechte Licht zu rücken.

Staier gibt den Phrasen metrischen Freiraum und stiftet dadurch Sinnzusammenhänge, die die Strukturen der Stücke deutlich machen. Der sonore Klang des Cembalos ist vor allem auch Staiers raffiniertem Arpeggio-Spiel und seiner reichen Verzierungstechnik zu verdanken, die den Gesamtklang immer voluminös und farbig machen. Ein ungemein interessanter Abend für Freunde der Barockmusik.