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Heimbach: Bachs Musik setzt im Kraftwerk Heimbach markante Akzente

Heimbach : Bachs Musik setzt im Kraftwerk Heimbach markante Akzente

Die Musik Johann Sebastian Bachs setzte auch im weiteren Verlauf des Kammermusikfestivals „Spannungen” im Jugendstilkraftwerk Heimbach markante Akzente.

Nicht zuletzt durch die Mitwirkung des Gamben-Spezialisten Rainer Zipperling, der Bachs Gamben-Sonate in g-Moll und, zusammen mit seiner Frau Ghislaine, dem 6. Brandenburgischen Konzert ein besonderes klangliches Kolorit verlieh. Dabei bestach Zipperling nicht nur durch seine technische und stilistische Versiertheit. Angesichts des zarten Tons, der sich in größeren Räumen oder gegen moderne Streichinstrumente nur schwer durchsetzen kann, wurde deutlich, warum die sechs-saitige Kniegeige noch zu Lebzeiten Bachs von der Bildfläche verschwunden ist.

In Bachs Doppelkonzert für Violine, Oboe und Streicher sorgten die Geigerin Lisa Batiashvili und Francois Leleux auf der Oboe für eine ebenso frische wie kultivierte Interpretation. Der französische Oboist trug überhaupt wesentlich zum Profil der ersten drei Konzerte bei. Zunächst in Poulencs Trio für Oboe, Fagott und Klavier op. 43, dem er, zusammen mit Dag Jensen und Kirill Gerstein, jenen hellhörigen Esprit verlieh, die die Musik von Poulenc erfordert, in dem nach Rostand „die Seelen eines Mönches und eines Lausbuben” wohnen.

Den gleichen Eindruck hinterließ die Begegnung mit Poulencs brillantem Bläsersextett. Und ein Höhepunkt an Nobilität und Ausdruckstiefe wurde mit Mozarts überirdisch schöner und geradezu luxuriös besetzter Bläser-Serenade c-Moll KV 388 erreicht. Hier war auch die Klarinettistin Sharon Kam zugange, die durch ihre Vitalität und ihren wandlungsfähigen Ton zu den weiteren Speerspitzen des Festivals gezählt werden darf. Neben ihren Ensembleaufgaben ließ sie mit einer minutiös ausgefeilten Interpretation der drei kurzen, aber anspruchsvollen Klarinettenstücke von Igor Strawinsky aufhorchen.

Der künstlerische „Spiritus Rector” der „Spannungen”, der Dürener Pianist Lars Vogt, fühlte sich hörbar wohl in der ungewohnten Rolle als Generalbass-Cembalist. Hier agierte er so aufmerksam und dezent wie als Liedbegleiter, unter anderem der israelischen Mezzosopranistin Rinat Shaham, die für eine ausgeprägt sinnliche Note sorgte. Neben zwei Gesängen von Brahms (in Kooperation mit dem Star-Bratschisten Antoine Tamestit) und den ungewöhnlich asketisch instrumentierten und ausdrucksstarken „Chansons Madécasses” verwandelte sie mit einigen Songs von George Gershwin das Podium in einen Schauplatz erstklassiger Disseusen-Kunst.

Nicht zu vergessen der ungemein souverän begleitende Pianist Kirill Gerstein. Das Mittwoch-Konzert endete mit Mendelssohn Streicher-Oktett. Der Geniestreich des 16-jährigen Wunderkinds war bei den Streichern mit Isabelle Faust und Christian Tetzlaff an den Violinen bestens aufgehoben.