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Aachen: Axls Jaulen zerreißt den Gitarrenteppich

Aachen : Axls Jaulen zerreißt den Gitarrenteppich

Drei Minuten können eine Ewigkeit sein. Fast so lange dauert es, bis dieses charakteristische Jaulen den Gitarrenteppich aufreißt. Ein Gejaule, dass einen 15 Jahre zurück führt, in die Zeit, als Rockmusik noch breitbeinig und langhaarig auf die Bühne stapfte. Aber es ist die Gegenwart. Es ist Axl Rose und - oh, Wunder - es ist ein neues Guns N´Roses-Album.

„Chinese Democracy” heißt es, ist den Chinesen schon zu böse, so dass sie die Internetseite der Band gesperrt haben. Doch bevor falsche Hoffnungen entstehen: Auch wenn Guns N´Roses draufsteht, ist natürlich nicht mehr Guns N´Roses drin.

Slash - dessen Kopf immer nur aus Zylinder, dunklen Locken und einer Zigarette zu bestehen schien - und die anderen sind längst ausgestiegen. Geblieben sind Rose und eine unübersichtliche Bande aus Instrumentalisten.

Die eigentliche Enttäuschung an „Chinese Democracy” ist nun aber, dass es das Album nun wirklich gibt. Schon vor zwölf Jahren hatte Rose vollmundig den neuen Meilenstein der Rockgeschichte angekündigt. Seitdem hieß es Warten. Und mit jedem Jahr wurde „Chinese Democracy” mehr und mehr zum Mythos. Nun ist das Album auf dem Markt. Eine Millionen will Rose jedes Jahr in das Werk investiert haben. Damit wäre es das teuerste Werk der Rockgeschichte.

Doch wie ist es nun, dieses „Chinese Democracy”? „Welcome To The Jungle”, mag man sagen. Willkommen in Axls-Gitarrenjungle. Denn „Chinese Democracy” ist ein wüstes Durcheinander überbordender Gitarrenriffs und verwirrender Soundexperimente. Der „Rolling Stone” bejubelt tatsächlich einen Meilenstein der Rockgeschichte, die FAZ hört „neurotischen Rocktechno”. Und irgendwie bietet „Chinese Democracy” beides.

Der Opener „Chinese Democracy” ist in der Tat einer dieser astreinen Rocksongs, wie sie Guns N„Roses einst mit unerhörter Selbstverständlichkeit produzierte. „Paradise City” und später „November Rain”, oder das Bob-Dylan-Cover „Knockin On Heavens Door” waren Geschenke einer Rüpelcombo, die 90 Millionen Alben verkaufte.

Es gab Zeiten, da waren Guns N„Roses vielleicht die beste Rockband der Welt. Zwar eine Band wie ein erhobener Mittelfinger und doch so unwiderstehlich. Die 14 Songs auf „Chinese Democracy” haben damit wenig zu tun. Letztlich ist „Chinese Democracy” viel - aber gewiss nicht geradlinig.

Der gleichnamige Song ist stark, „Catcher In The Rye” überraschend harmonisch, der Rest mehr oder weniger verwirrend oder wie „Better” schlichtweg schlimm. Aber zwölf Jahre waren auch eine lange Zeit, um den Sound mit neuen Einflüssen zu verseuchen.