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Monschau: Ausstellung im KuK: Die Ironie des Alltags genial eingefangen

Monschau : Ausstellung im KuK: Die Ironie des Alltags genial eingefangen

Phänomenal, fantastisch, traumhaft — kein Superlativ ist zu hoch gegriffen für diese Ausstellung im Monschauer Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen (KuK): die Retrospektive des US-amerikanischen Fotografen Elliott Erwitt.

120 Arbeiten aus einem halben Jahrhundert, eine genialer als die andere, verblüffen mit einem unglaublich sicheren Blick, im ganz gewöhnlichen Alltag das Außergewöhnliche zu entdecken — und das spontan, innerhalb von Sekundenbruchteilen. Die Schau ist später im Picasso-Museum Münster zu sehen. Und dass der 1928 in Paris geborene Elliott, der 1939 mit dem letzten Passagierschiff kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA emigrierte, auch noch ein ausgesprochener Hundefreund ist und diese Liebe in zahlreichen wunderbaren Aufnahmen dokumentiert hat, das macht ihn und sein Werk nur noch sympathischer. Er lebt heute in New York.

In Paris angefragt

Einfach angefragt bei der Magnum Agentur in Paris hatte KuK-Leiterin Nina Mika-Helfmeier vor einem Jahr und prompt die Zusage bekommen, 150 großformatige Schwarz-Weiß-Bilder von Erwitt zur Verfügung bestellt zu bekommen. Aus dem Konvolut hat sie 120 ausgewählt — Ikonen der Fotografie, weltberühmte Aufnahmen in einer Überfülle der Motive.

Das Menschlich-Allzumenschliche und die damit verbundene Ironie und Absurdität des Alltäglichen einzufangen — das ist die absolute Stärke des zeitweiligen Präsidenten und Vizepräsidenten der Agentur Magnum Photos.

Der leidenschaftliche Museums- und Galeriebesucher hatte bei seinen Streifzügen auch hier wahrlich vieles zu entdecken: zwei ernsthaft ins konzentrierte Gespräch vertiefte Herren zum Beispiel vor zwei Bildern, eigentlich nur gerahmten, rein weißen Leinwänden, auf denen nichts dargestellt ist. Gar nichts!

Das weiße, in einer üppig aufgeplusterten Art von Mini-Brautkleid gezwängte Mädchen in der Nähe von zwei scheu blickenden, ärmlich gekleideten schwarzen Kindern — das ist eine von zahlreichen, wie Studien der amerikanischen Gesellschaft wirkenden Momentaufnahmen. Und in diesen sozial engagierten Blickrichtungen wird die Ironie mitunter bitter.

Aber das Leichte überwiegt dann doch in dieser Retrospektive, eine Offenbarung tief sitzenden Humors, mit dem dieses Genie auf Entdeckungsreise für kleine, winzige und letztlich doch so große, witzig-hintergründige Momente gegangen ist. Seine Motive fand er auf der Straße, im Bus, auf dem Friedhof — aber auch in der großen Welt von Politik, Show und Film . Als Journalist erzählt er ganze Geschichten mit einem einzigen Bild. Eher zufällig ist er 1959 bei der Begegnung von US-Vizepräsident Richard Nixon und Sowjet-Chef Nikita Chruschtschow auf einer US-Industriemesse in Moskau dabei und beweist wieder den untrüglichen Sinn für diesen einen Moment: wie Nixon Chruschtschow den Finger wie eine Pistole auf die Brust setzt. Ost und West prallen unvermittelt und unversöhnlich aufeinander, symbolträchtiger und treffender hätte kaum ein Bild davon ausfallen können. „Erwitts Bild prägte das Image Nixons als Hardliner und seinen eigenen Ruf als Reportagefotograf mit den Qualitäten eines unsichtbaren Insiders“, erklärt Nina Mika-Helfmeier.

Der Hund als Mensch

Marilyn Monroe, Clark Gable, Drehbuchautor Arthur Miller und das ganze Team am Set zum Hollywoodfilm „The Misfits“ — Elliott Erwitt war es, der den historischen Moment festhielt. Keine Frage: auch das Aufeinandertreffen von Muhammad Ali und Joe Frazier beim Super Fight II am 28. Januar 1974 im Madison Square Garden, New York.

Dann die Hunde! Im Central Park in New York hat er sie angebellt — und die haben natürlich reagiert und sind hochgesprungen. Schließlich ist ein Hund auch nur ein Mensch. Erwitt hat abgedrückt und zauberhafte Aufnahmen geschaffen. Seine Hundefotos füllen ganze Bände — mit Recht!