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Hamburg: Außerfriesisch und legendär: Komiker Otto Waalkes wird 60

Hamburg : Außerfriesisch und legendär: Komiker Otto Waalkes wird 60

Großhirn an alle: Otto wird 60! Der ostfriesische Blödelbarde Otto Waalkes, der am Dienstag (22. Juli) Geburtstag feiert, gilt längst als Komiker-Legende. Der Erfinder solcher Figuren wie Harry Hirsch, Susi Sorglos und ihr Fön, Kommissar Kringel oder seines berühmten Ottifanten ist einer der erfolgreichsten Vertreter der deutschen Comedyszene und hat den Humor hierzulande geprägt wie nur wenige andere.

Sketche wie „Der menschliche Körper” („Großhirn an Milz”) oder seine „Wort zum Sonntag”-Variante „Theo, wir fahrn nach Lodz”, Lieder wie seine „Hänsel und Gretel”-Versionen oder „Friesenjung”, Filme wie mehrere „Otto”-Streifen oder zwei „7 Zwerge”-Kinohits und Tourneen begeisterten Millionen Menschen. Seine Witze wird er auch weiterhin machen: „Ich kann nicht anders - in jedem Alter.”

Probleme mit dem 60. hat der wechselnd in Hamburg und in den USA lebende Entertainer nicht. „So viele Veränderungen durch das Alter habe ich an mir noch nicht feststellen können”, sagt Waalkes. Ohnehin ist er überzeugt, „dass Komiker alterslos sind”.

Seit mehr als 40 Jahren steht der in Emden geborene Sohn eines Malermeisters auf der Bühne. Schon als Kind trug er bei Musikwettbewerben den „Babysitter- Boogie” vor, als 12-Jähriger bekam er eine Gitarre geschenkt und rockte wenige Jahre später mit der Amateurband The Rustlers in seiner Heimat. Doch schon früh fiel sein komisches Talent auf. „Ich bin ein geborener Komiker”, sagt der Mann mit dem infantilen Humor, der bereits in der Schule als Klassenclown bekannt war.

Seine Liebe galt der Musik, schon während des Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg trat er in Szene-Kneipen auf. Doch die Gags und Sprüche des jungen Mannes mit den langen blonden Haaren kamen besser an als seine Lieder - der Anfang für Waalkes Bilderbuch-Blödel-Karriere.

Mit seinen Wortspielen und Parodien, Kalauern und uminterpretierten Liedern avancierte er schnell zum Star. Der Spaßmacher („...einen hab ich noch”) machte geschäftlich ernst und gründete seine Plattenfirma „Rüssl Räckords”. 1973 bekam der „Außerfriesische”, der zeitweilig mit Künstlerkollegen wie Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen in einer WG in Hamburg lebte, eine erste eigene TV-Show, im folgenden Jahr die erste Goldene Schallplatte für seine LP „Otto”.

Der Ostfriese schwamm in den 70er und 80er Jahren auf der Erfolgswelle: Spitzeneinschaltquoten seiner Fernsehsendungen, ausverkaufte Konzerte, Verkaufserfolge mit Platten, Büchern und Comics. Einen Besucherrekord im Kino erzielte er beim ersten „Otto”- Film 1985 mit - zählt man West- und Ostdeutschland zusammen - mehr als 14 Millionen Zuschauern, den somit nicht einmal „Der Schuh des Manitu” im Jahr 2001 brechen konnte.

„Wo stünde der deutsche Humor ohne Otto Waalkes? Vermutlich immer noch bei Heinz Erhardt und Heinz Rühmann”, meint der Carlsen Verlag, der in dem gerade erschienenen Jubiläumsband „Otto - Das Werk” einen Überblick über das Schaffen des Komikers liefert. Er habe nach 1968 den „neuartigen, anarchischen, respektlosen Unernst” der „Neuen Frankfurter Schule” populär gemacht.

Während die Otto-Sprüche Eingang in den täglichen Sprachgebrauch fanden, lobten nicht alle Kritiker seine Blödelkomik als „infantilen Befreiungsschlag in einer Welt der Normen, Vernünftigkeiten, Regeln und Zwänge” („Spiegel”). In der jüngsten Vergangenheit indessen musste er sich vorwerfen lassen, nur altbekannte Nummern auf seinen Touren zu zeigen.

„Wenn ein Rockstar seine alten Hits neu interpretiert, hat man auch nichts dagegen. Ich habe eben auch meine Otto-Klassiker im Repertoire”, sagt er. Der Vater eines erwachsenen Sohnes, in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Eva Hassmann verheiratet, will sich auch künftig seinen kindlichen Blick als „friesische Pippi Langstrumpf” bewahren. „Meine Komik ist zeitlos und kennt kein Verfallsdatum”, meint er. „Ich war, bin und bleibe immer Otto.”