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Düsseldorf: Ausgebeutet auf der Zugspitze: „Die Bergbahn”

Düsseldorf : Ausgebeutet auf der Zugspitze: „Die Bergbahn”

Mit der Premiere von Ödon von Horváths Volksstück „Die Bergbahn” wurden die Zuschauer im Düsseldorfer Schauspielhaus für knappe zwei Stunden auf die Zugspitze des Jahres 1927 getrieben.

Die düster-dumpfe Inszenierung von Regisseur Philip Tiedemann beginnt keuchend mit dem Aufstieg des arbeitssuchenden Friseurs Schulz zur Arbeiterbaracke auf 3018 Meter Höhe, und sie endet röchelnd mit dem Tod zahlreicher Arbeiter.

Dazwischen stecken viel Kapitalismus-Kritik, Naturgewalt und menschliches Elend, vor allem aber ein hervorragendes Bühnenbild und überzeugende Darsteller.

Dennoch konnte das höchst selten gespielte einzige Arbeiterstück des Autors, das er vor dem realen Hintergrund der Errichtung der Zugspitz-Bahn geschrieben hat, im Großen Haus nicht überzeugen. Zwar sind die Themen Arbeitslosigkeit, Ausbeutung und Umwelt nach wie vor hoch aktuell.

Doch Tiedemann belässt die Handlung im Gestern, auch wenn ganz am Ende der Premieren-Vorstellung eine Radioeinspielung vom abgewendeten Arbeitskampf im öffentlichen Dienst Aktualität vorzugaukeln versucht.

Arbeiter und Angestellte beim Land und den Kommunen heute sind eben nicht vergleichbar mit den weitestgehend rechtlosen Arbeitern, die vor 76 Jahren die Bergbahn bauten, mit der zu fahren kaum einer von ihnen je das Geld gehabt hat.

Die Mannschaft, die sich dort oben gegen Wind und Wetter stellt, um einen bestimmten Bauabschnitt abzuschließen, bevor das Wetter umschlägt, ist zu bedauern.

Eingepfercht in der engen Kabine ist die von einer grandiosen Steffi Krautz als Köchin Veronika zubereitete Suppe auf hohem Gipfel der einzige Höhepunkt des Tages.

Der hereinbrechende Winter mit künstlichem Schnee und Windmaschine macht im Theater frösteln.

Die Arbeiter werden von ihrem Ingenieur und einem feisten Aufsichtsrat zu noch mehr Tempo angetrieben. Andernfalls droht die Entlassung. Selbst Schulz, der vom fernen Stettin am Meer zur Arbeitssuche in die Bergwelt gekommen ist, geht mit und stürzt in den Tod. Als sich die Arbeiter daraufhin weigern, weiterzuarbeiten, eskaliert der Konflikt. Schüsse fallen.

Eine herausragende Hauptrolle in der Düsseldorfer Inszenierung des am Ende mit viel Applaus bedachten Stücks spielt der von Bühnenbildner Etienne Pluss errichtete, knapp zehn Meter hohe düstere und immer wieder vernebelte Berg.

Er soll den krassen Gegensatz zwischen dem Winzling Mensch, der überdimensionalen und bedrohlichen Natur sowie dem gigantischen Bauwerk verdeutlichen.

Schwer erträglich für zwei Stunden ist das an österreichische oder schweizerische Dialekte erinnernde Gebrabbel der Arbeiter. Die führen zum einen sozialrevolutionäre Worte im Mund, plappern zum andern oft genug auch nur leere Worthülsen nach.