Inden/Aachen: Auf dem Indemann wird getanzt

Inden/Aachen: Auf dem Indemann wird getanzt

Tänzer finden sich, indem sie gemeinsam atmen. Das verbindet und schafft Rhythmus. Die Bühne, auf der die Tänzerinnen der belgischen Compagnie Irene K. am kommenden Sonntag tanzen, hat viel zu viel Luft, um gemeinsam zu atmen. Sie tanzen ab 20 Uhr auf dem Indemann, der Plattform mit Ausblick über den Tagebau Inden, eine luftige Stahlkonstruktion, 36 Meter hoch.

Der 15-minütige Tanz in der Abenddämmerung ist Teil eines Projekts namens „Mine Mapping“, das am Sonntag in Inden und Aachen stattfindet. Auftakt ist um 17 Uhr im Atelierhaus Aachen, Süsterfeldstraße, mit der Eröffnung einer Foto- und Multimedia-Ausstellung zum Thema Bergbau. Für alle Gäste der Eröffnung, die wissen wollen, wie die acht Tänzerinnen die Herausforderung meistern, gibt es ab 18.30 Uhr einen Bustransfer zum Indemann.

„Der Raum ist die Herausforderung“, sagt Irene Kalbusch, die Leiterin der Compagnie Irene K. „Die Tänzerinnen sehen sich, und sie hören sich nicht.“ Dafür ist der Indemann mit seinen vielen Plattformen einfach zu groß. Und deswegen waren Kalbusch und ihre acht Tänzerinnen zuletzt häufig auf dem Stahlkoloss zu finden, um trotz des fehlenden Kontakts synchron zu sein. Und weil der Boden so griffig ist, dass er keine Drehungen und Schleifbewegungen mit den Füßen zulässt. Eine neue Choreographie muss her. Und ein dickes Fell. „Kalt“, beschreibt Tänzerin Svende Obrocki ihren Eindruck von der ungewöhnlichen Bühne.

Ein kreativer Prozess

Die Wortkombination zeigt, worum es geht bei „Mine Mapping“. Mine ist englisch für Mine, es geht also um den Bergbau in der Region. Gemeint ist die Arbeit vergangener Jahre unter Tage und die in den Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler aktuell. „Mine Mapping“ ist so zu interpretieren, dass Menschen ihre Assoziationen übertragen in eine Art Landkarte der Gedanken. „Mine Mapping“ ist also ein kreativer Prozess, der den Tagebau im metaphorischen Sinne auf die Landkarte der Menschen bringen will.

Der Tanz ist nach 15 Minuten vorbei, die Ausstellung im Atelierhaus Aachen bleibt bis zum 3. Mai. Sechs Künstler zeigen, wie sie das Thema Bergbau auf ihre Weise umgesetzt haben. Fotograf Willi Filz (Amel/Belgien) hat Bilder und Stimmungen der Menschen in den Umsiedlungsorten eingefangen. Zehn bis 15 Menschen will er so einfangen. „Dabei geht es nicht darum, Betroffenheit zu zeigen, sondern ganz neutral die Menschen abzubilden, die vom Bergbau betroffen sind“, sagt Filz. Für jedes Motiv hat sich der Fotograf einen Tag Zeit genommen.

Toon Hezemans (Heerlen) zeigt Multimedia-Installationen über die verschwundenen Dörfer Pier und Wollseifen. Garzweiler steht im Mittelpunkt der Installationen von Janice Orth (Erkelenz). Walter Fricke (Münster) hat das Thema in Schwarz-Weiß umgesetzt, Marc Wendelski (Lüttich) hat Kühltürme und den Hambacher Forst in den Fokus genommen.

Zusätzlich sind in der Ausstellung Kurzfilme zum Thema Bergbau zu sehen, die beim Dutch Mountain Film Festival in Heerlen ausgezeichnet wurden.

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