Köln: Auf Bildschirmen, Bühnen und Brettern

Köln: Auf Bildschirmen, Bühnen und Brettern

Passend zur Computer- und Videospielmesse Gamescom präsentiert sich das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) „im Spielrausch“. Die gleichnamige Schau erzählt ab morgen „von Drachen, Königinnen und Pixelmonstern“. Abgedeckt wird das gesamte Spektrum des Spiels auf Bildschirmen, Bühnen und Brettern.

Das älteste der rund 150 Exponate ist eine japanische No-Maske, die zwischen 1550 und 1600 gefertigt wurde, die jüngsten Ausstellungsstücke zeigen Screenshots aus gerade erst erschienenen Computerspielen. „Wir hatten die Idee schon einmal, um 2010, als ich ins Museum kam“, sagt Direktorin Petra Hesse, „aber damals ist das an den Finanzen gescheitert.“

Beim zweiten Anlauf, gesichert durch die finanzielle Unterstützung der Stadt, des NRW-Ministeriums für Kultur und Wirtschaft sowie zahlreicher weiterer Sponsoren (darunter die Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung und die Imhoff-Stiftung), ist es nun doch geglückt, das 181.000 Euro teure Projekt zu stemmen. Ein Grund für diese Spendierfreudigkeit, so verrät Hesse, sei das ungewöhnliche Ausstellungskonzept gewesen: „Keine klassische Games-Ausstellung, sondern eine Präsentation von allen Formen und Ausprägungen des Spielens. Und das Thema Spielen selbst ist unendlich.“

Zum dritten Mal kooperiert das MAKK dabei mit der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln. Die brachte nicht nur die Manpower von mehr als 60 Studierenden des Uni-Instituts für Medienkultur und Theater mit ein, sondern auch 60 Prozent aller Exponate. 15 Leihgeber komplettierten die Ausstattung der Ausstellung um Spiele, Spieler und deren Stellvertreter.

„Der offene und sehr weite Spielebegriff soll hier sinnlich erfahrbar werden“, sagt Professor Peter W. Marx, Direktor der Theaterwissenschaftlichen Sammlung. Wer jetzt glaubt, hier dürfe ohne Ende gedaddelt werden, irrt allerdings: „Wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden, viele Spielekonsolen aufzustellen, weil das nachhaltig die Erlebnisqualität verändern würde.“

Eine Konkurrenz zur Messe Gamescom kann und will die Schau nicht sein. Stattdessen werden auf sechs verschiedenen thematischen Leveln Themen wie Verwandlung durch Figuren, Bewegung oder Regelbruch und Selbstoptimierung dargestellt.

Besucher wechseln dabei zwischen gegenständlichen, dreidimensionalen und virtuellen Welten. Begegnen Legosteinen, Eisenbahnkoffern und Barbiepuppen, Marionetten, Soldaten aus Zinn oder Rüstungen für Fantasy-Rollenspiele, Guckkastentheatern, Drehbühnenmodellen und Masken, Streams, Screenshots und Computeroberflächen.

Dazwischen künden Bücher, Zeichnungen und Entwürfe von der jahrhundertealten Lust an Verkleidung und Entgrenzung. Eine spezielle Tourguide für den Kurznachrichtendienst WhatsApp und das riesige Rahmenprogramm, bei dem beispielsweise Großeltern gegen ihre Enkel antreten können, bieten trotzdem interaktive Elemente. Und zwei Spiele zum Ausprobieren vor Ort gibt es auch.

Geeignet ist die Ausstellung ab dem Grundschulalter.