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Köln: Auch van Gogh brauchte Malhilfen: Die Trickkiste der Impressionisten

Köln : Auch van Gogh brauchte Malhilfen: Die Trickkiste der Impressionisten

Kein Impressionist konnte ahnen, was das Kölner Wallraf-Richartz-Museum einmal mit seinen Bildern anstellen würde. In den vergangenen Jahren wurden die Werke durchleuchtet, geröntgt, vielfach vergrößert, chemisch untersucht und seziert.

Kameras und Mikroskope förderten zutage, was mancher Meister vielleicht lieber für sich behalten hätte: Dass er erst mal alles schön ordentlich mit Bleistift vormalte, dass ihm die ersten zehn Entwürfe nicht gefielen, dass er auf billigen Zigarrenkisten malte.

In einer ungewöhnlichen Ausstellung präsentiert das Museum von diesem Freitag an bis zum 22. Juni seine Ergebnisse und lässt den Besucher in die Trickkiste von Monet und Manet schauen. Unter den 130 Exponaten sind Meisterwerke von Renoir, Gauguin und Signac. „Unser Wunsch ist, dass durch die Ausstellung ein anderer Blick auf die Kunst gezeigt wird”, sagt Caroline von Saint-George, eine der drei Kuratorinnen. Manches Bild gibt unter dem Infrarotauge eine Geschichte preis.

Plakate und Katalog ziert ein Gemälde des Franzosen Gustave Caillebotte von 1892. Am Tag seiner Entstehung muss es draußen kräftig geweht haben, doch der Maler ließ sich nicht davon abhalten, mit seiner großen Staffelei ans Ufer der Seine zu ziehen. Während die Bäume rauschten und sich das Wasser kräuselte, malte er die im Wind wehende Wäsche, die zum Trocknen zwischen den Bäumen einer Pappelallee hing.

Irgendwann blieb sogar eine Pappelknospe in der frisch aufgetragenen Farbe kleben, aber das störte Caillebotte nicht, er malte einfach drüber. Nach mehr als einem Jahrhundert hat das Kölner Forscherteam die Knospe nun wiederentdeckt - und damit den Beweis dafür erbracht, dass das Bild wirklich draußen entstand.

Unter den Farbschichten verbarg sich noch manch andere Überraschung. „Der Mythos des Impressionismus ist ja: Alles ist spontan entstanden”, sagt die Kuratorin Katja Lewerentz. „Aber die Motive wurden oft sehr genau geplant.” So malte Vincent van Gogh eines seiner bekanntesten Gemälde, „Die Zugbrücke”, auf einem Linienraster.

In einem Brief an seinen Bruder Theo erläuterte er diese Hilfstechnik: Wenn er draußen unterwegs war, schleppte er einen hölzernen Perspektivrahmen mit, der genauso aussah wie das auf der Leinwand vorgezeichnete Raster. Hatte er ein Motiv gefunden, stellte er den Rahmen davor auf und sah hindurch, wobei der Bildausschnitt durch die Verstrebungen bereits in verschiedene Felder unterteilt wurde. Das erleichterte ihm die Übertragung auf die Leinwand im richtigen Größenverhältnis.

Im Zuge der Untersuchungen gab es auch einen kleinen Kollateralschaden: Ein „Monet” entpuppte sich als Fälschung. „Jetzt können wir leider nur noch 129 statt wie angekündigt 130 Meisterwerke zeigen”, schmunzelt Kuratorin Iris Schaefer. Diese und andere Entdeckungen werden in der Kölner Ausstellung sehr anschaulich durch Texte, Grafiken, Fotos und Filme erläutert. Dazwischen stehen ein Geschäft für Malerbedarf - um 1850 gab es davon in Paris über 200 - und die beschirmte Staffelei eines Impressionisten im Wald.

Man kann das alles natürlich auch ignorieren und sich nur die Bilder ansehen. Letztlich ist es ja egal, ob sie nun mit Pinsel oder Spachtel entstanden, drinnen oder draußen, binnen Stunden oder Monaten. Hauptsache schön - und das sind sie allemal.