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Aachen/Alsdorf: Attacke mit einem Küchenmesser im Drogenrausch

Aachen/Alsdorf : Attacke mit einem Küchenmesser im Drogenrausch

„Es tut mir so leid. Wenn ich das nur zurückdrehen könnte.” Claudia P. (39) bedauert die Tat, als das Opfer ihr im Zeugenstand gegenüber sitzt.

Fünf Mal soll sie laut Staatsanwalt Ende März im Drogenrausch auf die Tochter ihres damaligen Liebhabers eingestochen haben. Die 27-Jährige schwebte in akuter Lebensgefahr und lag, wie sie am Mittwoch berichtete, fünf Wochen im Koma.

In dem Verfahren vor dem Aachener Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl ging es darum, ob die Beschuldigte, die den versuchten Totschlag im Zustand der Schuldunfähigkeit während einer paranoiden Drogenpsychose begangen haben soll, dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen wird. Das Schwurgericht stellte nach der Begutachtung durch Psychiaterin Konstanze Jankowski abschließend fest, dass die Frau die Tat tatsächlich im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat. Sie wird weiterhin in Bedburg-Hau psychiatrisch behandelt.

Ab April des vergangenen Jahres lief ihr Leben komplett aus dem Ruder. Sie nahm immer mehr Drogen, Heroin und Kokain, trennte sich dann von ihrem niederländischen Ehemann, der am Mittwoch als Zeuge beteuerte, sie sei zwar drogenabhängig, aber immer ein gute und fürsorgliche Mutter gewesen. Heute hätten sie und er alles verloren, die Kinder seien im Heim, der ehemalige Unternehmer hält sich mit Lkw-Fahren über Wasser.

Als sie dann weggelaufen war, ging sie zuerst zur Mutter nach Merkstein, finanzierte ihre Drogensucht mit der Arbeit als Animiermädchen in einem Club und schaffte als Prostituierte an. Auf dem Straßenstrich nahe des Aachener Kaiserplatzes lernte sie schließlich einen Mann kennen, der sie zunächst mit in seine Wohnung in Laurensberg und auch in sein Alsdorfer Haus mitnahm.

„Zu viele Drogen”

Dort habe es Stoff zuhauf gegeben, erklärte sie dem Gericht: „Das waren zu viele Drogen, Herr Richter, viel zu viele!” Wegen ihrer jüdischen Abstammung und weil sie in Holland eine kleine Hanfplantage gehabt hätte, fühlte sich die Frau dauernd verfolgt. Männer mit vermummten Gesichtern seien ihr gefolgt. Sie hatte auch das Opfer im Verdacht, sie bestohlen zu haben, in dem Alsdorfer Haus habe man ihr auch eine Schachtel mit einem abgeschnittenen Finger gezeigt - zur Einschüchterung, meinte sie damals.

Da nahm sie dann aus heiterem Himmel ein 16 Zentimeter langes Messer vom Küchentisch und stach auf die 27-Jährige, die mit am Tisch auf einem Stuhl saß, ein. Beide sollen dabei völlig unter Drogen gestanden haben.