1. Kultur

Heimbach: Artistische Virtuosität und pure Spielfreude

Heimbach : Artistische Virtuosität und pure Spielfreude

Die schlechte Nachricht: Die Pianistin Elena Bashkirova und der Cellist Heinrich Schiff mussten ihre Teilname bei den „Spannungen” in Heimbach aus gesundheitlichen Gründen absagen. Die gute Nachricht: Mit dem 25-jährigen Cellisten Julian Steckel und dem ohnehin anwesenden Pianisten Paul Rivinius nahmen Kollegen deren Plätze ein, die den Verlust schnell vergessen ließen.

Einen denkbar großen Auftritt hatte der Cellist gleich zum Auftakt des zweiten Konzertes mit Beethovens Sonate in A-Dur op. 69. Ein Werk aus der selbstbewussten Periode der 5. Symphonie und der „Pastorale”, das kammermusikalische Grenzen weit hinter sich lässt. Den dennoch eher lyrisch-introvertierten Tonfall erfüllte Steckel mit einer inneren Spannung, die dem Namen des Festivals alle Ehre machte. Und hier erwies sich Lars Vogt als kongenialer Begleiter, der in völligem Einklang mit dem Cellisten die großen Dimensionen des Werks erfasste und überlegen gestaltete.

Danach gesellte sich zu dem prächtig harmonierenden Duo die bereits am Vorabend überwältigende Geigerin Isabelle Faust zu einer Interpretation des Klavier-Trios von Maurice Ravel, die Spontaneität, Inspiration, artistische Virtuosität und pure Spielfreude mühelos vereinigte.

Eine Steigerung war nach diesen Highlights mit dem selten zu hörenden Klarinetten-Quartett von Hindemith und dem frühen Streichquintett op. 18 von Felix Mendelssohn Bartholdy nicht zu erwarten. Es spricht für das Niveau des Festivals und der jungen Künstler, dass die Qualitätsmarke immerhin gehalten werden konnte. Das stilistisch recht zerrissene Hindemith-Werk verlor durch die fabelhafte Klarinettistin Sharon Kam, die Brüder Paul und Gustav Rivinius (Violoncello) sowie Antje Weithass an der Violine jeden Hauch spröder Trockenheit und rehabilitierte sich als blutvolles Dokument Hindemiths aus der auch für ihn persönlich-politisch schweren Zeit um 1938.

Und auch die Anmut des Streichquintetts aus Mendelssohns Teenager-Jahren erschöpfte sich nicht in lieblicher Harmlosigkeit. Die Streicher um Isabelle Faust und die Cellistin Tanja Tetzlaff, darunter als neues Gesicht in Heimbach die Engländerin Rachel Roberts an der Bratsche, formten das glänzend gebaute Stück aus dem Geist des späten Haydn. Reif, formvollendet und im Scherzo mit einer so entmaterialisierten Schwerelosigkeit und federleichten Spielfertigkeit, dass es den Elfenspuk im „Sommernachtsraum” an gespenstischer Motorik locker überrundete.