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Köln: Art-Cologne in der Krise: Direktor Goodrow geht

Köln : Art-Cologne in der Krise: Direktor Goodrow geht

Der Direktor des Internationalen Kölner Kunstmarktes Art Cologne, Gerard Goodrow, räumt seinen Chefsessel. Hintergrund ist die seit Monaten anhaltende Kritik aus dem deutschen Kunsthandel, Goodrow (41) habe zu wenig gegen den stetigen Bedeutungsverlust der weltweit ältesten Kunstmesse unternommen.

Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa am Montag aus Galeristenkreisen. Die Kölner Messe wollte dazu keine Angaben machen und verwies auf eine für Dienstag geplante Pressekonferenz. Hier werde man zum neuen Kurs der Art Cologne Stellung nehmen, sagte Messesprecher Guido Gudat.

Eine nichtssagende Pressemitteilung, die die Kölner Messe Mitte Dezember in Sachen „künftiger Ausrichtung” des Kunstmarktes den Redaktionen zuschickte, machte schon damals deutlich: Hinter den Kulissen der Art Cologne, die jährlich rund 70.000 Kunstfans und etwa 200 Händler anlockt, brodelte es gewaltig. Auslöser war ein geharnischtes Protestschreiben einer Riege einflussreicher deutscher Galeristen, die sich im Herbst massiv über den Bedeutungsverlust der über 40 Jahre alten Kunstmesse beschwert hatten.

Köln drohe hinter den Newcomern auf der weltweit florierenden Kunstmessen-Bühne von Basel bis Berlin, von Miami bis London zu verblassen, sei damit weder für potente Käufer noch interessante Anbieter attraktiv und verzettele zudem noch mit einem unwichtigen Ableger auf Mallorca die Kräfte. Konsequenz: Das „Vertrauensverhältnis” zwischen der Branche und Goodrow sei mittlerweile so zerrüttet, dass die Kölner Messe lieber auf eine Weiterbeschäftigung des amerikanischen Kunsthistorikers verzichte, „im gegenseitigen Einvernehmen”, kolportierte die Szene am Montag.

Ob der Schritt als „Bauernopfer” im notorischen „Kölner Klüngel” oder als echter „Befreiungsschlag” die in die Jahre gekommene Messe wirklich auf neuen Kurs bringt, muss bis auf weiteres offen bleiben. „Ungerecht” nennt es jedenfalls die örtliche Kulturpresse, den Bedeutungsverlust der Art Cologne Goodrow allein anzuhängen, der vor gut vier Jahren vom Auktionshaus „Christies” wegen seiner exzellenten Kontakte zur Sammler- und Galeristenszene als „Hoffnungsträger” an den Rhein geholt worden war.

Der auf Druck des Handels eingeführte, aber immer noch kontrovers diskutierte neue Frühjahrstermin, der Umzug in sterile Messehallen und der Hype, den etwa der Art-Basel-Ableger in Miami auf die Schönen und Reichen der Welt ausübt, stehen außerhalb des Einflusses von Goodrow. Dies gilt auch für den kommunalen Geldmangel, der die Kölner Museen seit langem hindert, die in anderen Messemetropolen üblichen attraktiven Kunstausstellungen zur Markt-Zeit auszurichten.

Bedrohliches Zeichen war aber die mangelnde Reaktion aus Köln auf die Fortune einer Messe-Neugründung für Gegenwartskunst im benachbarten Düsseldorf. Nach selbstbewusster Premiere im vergangenen Jahr will sie nun im kommenden April wieder als „duesseldorf contemporary dc” ebenso auftrumpfen wie eine Alte-Kunst-Messe, die aus einer Düsseldorfer Behelfshalle in Kürze wegen des Erfolgs auf das Messegelände der rheinischen Rivalin umzieht.

Goodrows Gegenstrategie - wie ein konsequentes Abspecken der Zahl für Köln zugelassener Galerien zwecks besserer Übersicht - oder die gefeierte Einführung des gewitzten „Open Space” für zeitgenössische Skulpturen haben nicht ausgereicht. Sein Überleben im „Dschungelcamp” der selbst- und geltungsbewussten Galeristen war dadurch nicht gesichert.