Arbeitete Marc Dutroux für die Stasi?

Arbeitete Marc Dutroux für die Stasi?

Berlin (an-o) - Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) soll einflussreiche Persönlichkeiten in Westeuropa mit Kinderpornografie erpresst haben. Auch der belgische Kinderschänder Marc Dutroux hat im Auftrag der Stasi gearbeitet.

Das erklärte Wanja Götz, Verbindungsoffizier zwischen dem sowjetischen Geheimdienst KGB und der Stasi, in einer eidesstattlichen Versicherung gegenüber der "Berliner Morgenpost". "Zu den Erpressten gehören Politiker, Richter und Industrielle, von denen einige nach wie vor Einfluss in den westlichen Demokratien haben", teilte Götz (Deckname: Grigori) der Zeitung mit. Nach dem Fall der Mauer habe das ehemalige Stasi-Netzwerk die geheimdienstlichen in finanzielle Interessen umgewandelt.

Nach Recherchen der "Berliner Morgenpost" hat auch der im August 1996 verhaftete belgische Kinderhändler Marc Dutroux, dem der Mord an mehreren Mädchen zur Last gelegt wird, zeitweise im Auftrag der Stasi gearbeitet. "Es gab in der Tat Hinweise, wonach sich solche Informationen in dem Stasi-Material wieder finden, das dem US-Geheimdienst CIA zugespielt wurde. Der belgische Geheimdienst wäre gut beraten, diese Unterlagen gründlich auszuwerten", so der Ex-Geheimdienstkoordinator der Regierung Kohl, Bernd Schmidbauer (CDU).

Aus Heimen geholt

Der US-Geheimdienst hatte sich in Wendezeiten Material über die Spionageabteilung des MfS gesichert. Wegen darin enthaltener brisanter Informationen auch über westeuropäische Politiker dürfen bis heute nur Geheimdienste in die - von der CIA gefilterten - Berichte einsehen. Laut Experten erklärt das, warum die Ermittlungsbehörden sowohl den Fall Dutroux als auch das Verschwinden von Manuel Schadwald bisher nicht klären konnten. Der seit 1993 vermisste Junge ist nach Zeugen-Aussagen ins niederländische Kinderporno-Milieu verschleppt worden.

Sein Vater Rainer Wolf, ein in der DDR-Friedensbewegung eingesetzter Stasi-Mitarbeiter, war schon vor Jahren in den Verdacht geraten, seinen Sohn selbst in das Milieu gebracht zu haben. Der Ex-KGB- und Stasi-Agent Wanja Götz erklärt in seiner eidesstattlichen Versicherung laut "Morgenpost": "Ich hatte den Auftrag vom DDR-Geheimdienst, diesen Mann psychologisch einzuschätzen. Erst viel später erfuhr ich, dass Wolf nach seiner von der Stasi inszenierten Übersiedlung in die BRD 1984 im Auftrag der Auslandsspionage des DDR-Geheimdienstes mit Kinderpornografie Westeuropäer erpresst hat." Die Kinder habe sich das MfS aus DDR-Heimen geholt.