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Arbeiten bei den Nachbarn

Arbeiten bei den Nachbarn

Euregio Aachen (an-o) - Christina Löhrer-Kareem kommentiert die Lage der "grenzüberschreitenden Arbeiter", die in den Niederlanden oder in belgien beschäftigt sind.

Die Arbeitslosigkeit in unserer Region ist - trotz vielerlei Bemühungen - noch immer relativ hoch. So stellt sich bei dem einen oder anderen Arbeitsuchenden früher oder später auch mal die Frage nach einer Arbeitsaufnahme in den Niederlanden oder Belgien. Die Möglichkeiten des europäischen Arbeitsmarktes sind theoretisch vielfältig, aber wie so oft steckt der Teufel im Detail.

Deshalb einige grundsätzliche Dinge rund ums Arbeiten bei den Nachbarn. Schon bei der Beantwortung der Frage was denn ein Grenzgänger ist, herrscht einiges an Verwirrung. Ursache sind unterschiedliche Definitionen, abhängig davon, ob man sich mit der steuerrechtlichen oder der sozialrechtlichen Seite grenzüberschreitenden Arbeitens beschäftigt. Wohnt ein Arbeitnehmer in der deutschen Grenzregion undfährt täglich zur Arbeit in den Niederlanden, so ist dieser Mensch ein Grenzgänger. Selbst wenn dieser Arbeitnehmer sich am Arbeitsort noch eine Wohnung nimmt.

Grenzgänger unterliegen vertracktem Steuerrecht

Für die sozialrechtliche Einordnung als Grenzgänger muss im Zweifelsfall der Nachweis genügen,dass der Betreffende einmal die Woche nach Hause fährt. Im Sinne der steuerrechtlichen Behandlung taucht der Begriff im Zusammenhang mit dem Deutsch-Belgischen Doppelbesteuerungsabkommen auf, das eine Grenzzone kennt, innerhalb derer man zum Grenzgänger wird.

Im Hinblick auf die Steuerpflicht ist zu unterscheiden zwischen der sogenannten beschränkten oder unbeschränkten Steuerpflicht. Wenn man mindestens 90 Prozent der Einkünfte aus Berufstätigkeit im Nachbarland erzielt, kann man sich dort wie ein "Steuerinländer" behandeln lassen. Wichtig wird die Antwort auf die Frage, ob man Grenzgänger ist oder nicht beim Thema Krankenversicherung und Leistungen bei Arbeitslosigkeit.

Krankenversicherungsschutz im Wohn- und im Tätigkeitsland

Arbeitet man in den Niederlanden, leistet man auch dort Sozialabgaben. Daraus erwachsen auch Rechte auf Leistungen aus dem dortigen System. Arbeitet man in Belgien gilt entsprechend belgisches Sozialrecht. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass eventuell soziale Vergünstigungen, die aus Deutschland bekannt sind, jemanden nicht mehr zustehen. Sollte man die Arbeit im Nachbarland wieder verlieren, steht einem Arbeitslosengeld am deutschen Wohnort zu. Krankenversicherungsschutz genießt man sowohl im Wohnland, als auch im Tätigkeitsland.

Am Dienstag, den 24. September, findet - erstmalig im Arbeitsamt Aachen - wieder ein Grenzgängersprechtag statt. Wie immer steht Ihnen der Service der Grenzgängerberatungsstelle bei der Regio Aachen zur Verfügung. Regio Aachen e.V., Theaterplatz. 14, 52062 Aachen Telefon 0049/(0)241/455/200.

Mehr zu diesem Thema: www.regioaachen.de. Außerdem berät Christina Löhrer-Kareem bei der Regio Aachen Grenzgänger.