1. Kultur

Aachen/Stolberg: Anwalts freier Fall ins bürgerliche Nichts

Aachen/Stolberg : Anwalts freier Fall ins bürgerliche Nichts

Handeln vor Gericht lohnt sich beinahe immer: Der Schaden, den der treulose Stolberger Anwalt Hans-Jürgen S. (65) mit der Veruntreuung von „Fremdgeldern” aus seiner Mandantenschaft in den vergangenen fünf Jahren anrichtete, war nach der dreitägigen Hauptverhandlung vor dem Aachener Landgericht um etwa 150.000 Euro geschmolzen.

Statt 1.080.000 blieben zum Schluss „nur” 930.000 Euro, die der ehemalige Insolvenzverwalter mit Kanzlei in Aachen während der letzten fünf Jahre in die eigene Tasche umgeleitet hatte. Der Vorsitzende Richter Harald Brandt, Staatsanwältin Silvia Janser wie die Anwalts-Anwälte Dieter Ferner und Henry Littwitz rechneten drei Tage lang mit spitzem Stift wie die Maikäfer, der geständige Angeklagte half jetzt endlich im Verfahren nach Kräften mit, das menschliche wie finanzielle Desaster restlos aufzuklären.

Am Strafmaß änderte die verkürzte Schadenssumme letztlich nicht viel. „Wegen Untreue in 317 Fällen und Betrug wird der Angeklagte zu vier Jahren Haft verurteilt.” So der erwartet zügige Spruch der 8. Großen Strafkammer nach den Plädoyers - Richter Brandt gilt in der Zunft als schnell und entscheidungsfreudig.

Mit dem Urteil zog die Kammer, die Staatsanwältin hatte im Übrigen ebenso vier Jahre gefordert, einen Schlussstrich unter den unaufhaltsamen Niedergang eines renommierten, internationalen Advokats, dessen glänzende Karriere im Köln der 70er Jahre begann, der Millionen verdiente und jahrelang in Italiens Fußball-Jetset wie im Glamour-Leben der Cote dAzur mitmischte.