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Aachen: Anwalt plündert die Konten der Mandanten

Aachen : Anwalt plündert die Konten der Mandanten

„Da drehte sich das Rad dann immer schneller, die Schlinge zog sich dramatisch zu. Seit Ende 2002 hatten Sie die Hoffnung verloren, nicht wahr?” Die Frage an den Angeklagten, den ehemaligen Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Hans-Jürgen S. (65) aus Stolberg, war vom Vorsitzenden Richter Harald Brandt eher feststellend denn als klärende Prozessfrage gemeint.

Der Anwalt auf der Anklagebank saß dort keineswegs als Rechtsbeistand, er selbst war flankiert von zwei Kollegen. S. nickte bestätigend zum Vorsitzenden, schien erleichtert, endlich seine Geschichte vor der 8. Großen Strafkammer des Landgerichts und vor der Öffentlichkeit loswerden zu können.

Der Mann, der locker zwischen einer Wachtmeisterin und einem Wachtmeister über den Gerichtsflur kam, ist eine große Last los geworden. Er ist in weiten Teilen geständig, etwa eine Million Euro, wie ihm die Anklage vorwirft, zwischen 2001 und 2005 als Insolvenzverwalter veruntreut zu haben. Das Geld allerdings bleibt für die Vielzahl der Gläubiger wie für seine ehemaligen Mandanten, die alle dachten, der offiziell bestellte Sequester oder Insolvenzverwalter würde ihre Angelegenheiten ordnungsgemäß regeln, weitestgehend futsch.

Rund drei Stunden brauchte die Staatsanwältin für die Verlesung der Anklage. 333 Fälle von Untreue und zwei von Betrug musste Silvia Janser herunterrasseln. Später im Verfahren stellte sie beinahe fassungslos fest: „Herr S., da waren ja selbst die Beerdigungskosten für ihre Mutter drunter!”