1. Kultur

Hamburg: Annett Louisan legt neues Album vor: „Ich bin kein perfekter Star”

Hamburg : Annett Louisan legt neues Album vor: „Ich bin kein perfekter Star”

Auch eine Pop-Lolita wird irgendwann erwachsen. Noch vor drei Jahren sang Annett Louisan frech und mit unschuldigem Blick „Ich will doch nur spielen”, jetzt macht sie sich Gedanken über Gleichgültigkeit in der Liebe, Seitensprünge und geplatzte Träume.

„Ich mag diese Mischung aus Abgeklärtheit und Romantik - das ist lebensnah”, sagt die 30-Jährige, die am Freitag ein Album mit 14 neuen Songs herausbringt. „Das optimale Leben” hat sie es genannt - und muss sich nun immer wieder fragen lassen, wie ein solches aussieht. „Wenn ich das wüsste!”, sagt die in Hamburg lebende Musikerin. „Wichtig für mich war die Erkenntnis, dass Perfektion und vollkommenes, anhaltendes Glück eine Illusion sind”, erklärt die aus Sachsen-Anhalt stammende Echo-Preisträgerin.

Doch nicht nur das Alter, auch der Erfolg haben Louisans Leben verändert. Blond und sinnlich, keck und ironisch - so eroberte sie die Charts. Ihre Musik ließ aufhorchen, die Wortspielereien ihrer Texte hoben sich ab vom Pop-Mainstream.

Seither gilt die 1,52 Meter große Frau als neue Grande Dame des deutschen Chansons. 470.000 Mal verkaufte sich das erste Album „Bohme” in Deutschland, 270.000 Mal der Nachfolger „Unausgesprochen”. Die Erwartungen an das neue Werk sind groß. „Vor der Veröffentlichung bin ich total nervös”, gesteht Louisan. Nach all dem Erfolg werde der Druck natürlich größer. „Wenn man in einer 100-Quadratmeter-Wohnung gelebt hat, tut man sich auch schwer damit, plötzlich in ein 20-Quadratmeter-Zimmer zu ziehen.”

Für „Das optimale Leben” setzte die Musikerin erneut auf ihre Komponisten Matthias Hass und Hardy Kayser sowie auf Erfolgstexter Frank Ramond, der unter anderem auch für Roger Cicero schreibt. Mal traurig und melancholisch, mal leicht und beschwingt - unterstützt von lateinamerikanischen Rhythmen - klingen ihre Chansons. „Ich kann durchaus mal variieren, muss mich nicht an einem roten Faden orientieren”, erklärt die Sängerin.

„Zumal die Themen auch nicht mehr so einfach greifbar sind.” Sie suche Geschichten, „die ganz viele Menschen treffen” und profitiere dabei sehr von Gesprächen mit Freunden und Bekannten. „Manchmal muss ich sogar aufpassen, dass ich nicht zu persönlich werde und sich nicht jemand angesprochen fühlt.”

Dass Louisan Wert auf Vielfalt legt, zeigt sich bereits mit der ersten Single-Auskopplung, dem schwungvollen Lied „Das alles wär nie passiert”. Einer ihrer persönlichen Lieblingssongs gehört zu den traurigsten auf der CD: In „Was haben wir gesucht” thematisiert sie Seitensprünge und deren Folgen. An einen entspannteren Umgang mit Kritiken hat sich Louisan inzwischen gewöhnt. „Ich musste lernen, mit den extrem unterschiedlichen Meinungen zu meiner Musik zu leben”, sagt die Künstlerin, die sich selbst ganz und gar nicht fehlerfrei findet. „Ich bin kein perfekter Star und stehe auch zu meinen Fehlern. Manchmal mangelt es mir an Disziplin, dafür bekomme ich dann etwas auf die Mütze”, sagt sie. „Aber ich lerne daraus.”