Aachen: „Android Ergo Sum“: Ein musikalischer Krimi, der sehr viel Spaß macht

Aachen : „Android Ergo Sum“: Ein musikalischer Krimi, der sehr viel Spaß macht

Mit dem „Fluch der Tantaliden“ haben sich Dlé — Tim Knapper, Florian Hertweck und Malcom Kemp — in der Spielzeit 2013/14 bereits eine begeisterte Fangemeinde erspielt. Die Musik zum Stück, die in einer Mischung aus Rap und Soap hörspielartig durch die griechische Mythologie rauscht, gibt es als Album zu kaufen.

Es ist nur zu hoffen, dass auch die Rap-Erzählung zur Utopie „Android Ergo Sum“ auf Platte gepresst wird: Der musikalische Krimi, den Schauspieler Tim Knapper am Mörgens inszeniert, ist brillant.

Im Jahr 2075 leben Mensch und Maschine friedlich zusammen. Dass die Roboter der Menschheit in mancher Hinsicht überlegen sind, wird gleich zu Beginn deutlich: Der Einführungssong, zunächst fälschlicherweise in Binärcode vorgetragen, muss dem menschlichen Publikum erst einmal übersetzt werden.

Das macht aber nichts: Als ihre Schöpfer beten die Androiden die Menschen an und machen ihnen das Leben leichter, wo sie nur können. Sie haben den Großteil der anfallenden Arbeit übernommen. Dass Menschen noch selbst Auto fahren oder mehr als eine Stunde in der Woche arbeiten: undenkbar.

Nanobots optimieren den menschlichen Körper. Entgiftung, Hormonregulierung, die Überwachung aller biologischen Funktionen — alles ist möglich. Telefone sind implantiert, Zärtlichkeiten werden über Holo-Übertragung ausgetauscht. Ach ja: Auch Männer können schwanger werden. „Schon den Faden verloren?“, fragt Knapper berechtigterweise zehn Minuten nach dem Eintauchen in diese paradiesisch scheinende Zukunftsvision.

Menschen und Roboter unterscheiden sich nur noch in einem Punkt: Aufgrund von Emotionsdrosselung haben die Maschinen keine Gefühle. Als ein Mord geschieht und die Bots den Tathergang nicht rechnerisch rekonstruieren können, ist menschliche Intuition gefragt.

Mit diebischer Spielfreude singen, tanzen und musizieren sich Dlé durch ihren Zukunftskrimi. Musiker Kemp brilliert sowohl an den digitalen als auch an den analogen Instrumenten, die er als Lesegerät Karel Bot dekodieren kann. Knapper rappt seine mitunter klamaukigen, aber meist geistreichen Texte auf den Punkt, während Hertwecks Körpersprache dem Publikum eine der schönsten menschlichen Emotionen entlockt: unbändige Erheiterung.

Weitere Aufführungen im Mörgens: am 29. März, 14., 22. und 29. April, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es beim Kundenservice des Medienhauses Aachen.